Die Leistungen der Holländer in der Schlacht wurden von den Franzosen und Engländern, von Wilhelm III. und der Königin besonders, anerkannt; Herbert wurde in Haft genommen, zwar kriegsgerichtlich freigesprochen aber nicht wieder verwendet.

Die Schilderung zeigt uns die Niederlage der Verbündeten, der Hauptverlust trat erst nach der Schlacht ein. Ein zusammengerufener Kriegsrat sah ein, daß ein zweites Gefecht unmöglich sei, ja daß man selbst nicht um zurückbleibende Schiffe kämpfen könne, sondern diese zerstören müsse. Abends 9 Uhr mit Einsetzen der Flut trat man den Rückzug nach Osten an, die schwerstbeschädigten Schiffe im Tau von Fregatten. Der flaue Gegenwind zwang häufig während der Ebbe zu ankern, aber mit der besseren Kenntnis der Stromverhältnisse entzog man sich immer mehr den folgenden Franzosen. Tourville hatte zur Verfolgung erst etwas später Anker gelichtet und segelte stets in Formation, anstatt eine allgemeine Jagd anzuordnen; immerhin fiel ihm ein großer Teil der beschädigten Schiffe zum Opfer.

Im Laufe der nächsten Tage mußten zwei mastenlose Holländer verbrannt werden; eins sank vor Anker. Vier setzten sich bei Rye auf den Strand: drei verbrannten sich, nur eins wurde durch Geschicklichkeit und Umsicht seines Kommandanten gerettet. Er ließ sein Schiff halb voll laufen, brachte Kanonen am Lande in Stellung und schlug verschiedene Branderangriffe ab. Auch ein englisches Schiff ging verloren.

Sicher würde der Verlust größer gewesen sein, wenn Tourville seine Galeren zur Stelle gehabt, und vor allem auch, wenn er anders verfahren hätte. Einen geschlagenen und in voller Flucht zurückgehenden Feind soll man mit Ungestüm verfolgen, auf die eigene Ordnung nur soweit Rücksicht nehmen, als nötig ist, um den verfolgenden Schiffen die gegenseitige Unterstützung zu sichern.

Warum nutzte Tourville die Verfolgung nicht besser aus? Mahan sagt (gekürzt): „Die Vorsicht bei der Verfolgung entsprang demselben Charakterzuge Tourvilles, der ihn zwei Jahre später bei La Hogue seine Flotte der fast sicheren Vernichtung entgegenführen ließ, bloß weil er den Befehl seines Königs in der Tasche hatte, so verschieden auch beide Handlungen zu sein scheinen. Er war tapfer genug, um alles zu tun, aber nicht stark genug, um die schwersten Lasten zu tragen.“ (Man denke an Seignelays Ausspruch: „Poltron de tête, mais brave de coeur“.) „Er war nach Beachy Head mit seinen Leistungen in der Schlacht zufrieden, aber kein Nelson, der sagte: Wenn wir von elf Schiffen zehn genommen und das elfte hätten entwischen lassen, während wir es nehmen konnten, so würde ich dies niemals für ein gutes Tagewerk halten. Tourville war der Vorgänger der geschickten aber vorsichtigen Taktiker der kommenden Zeit, allerdings noch voll jener Lust zum Draufgehen, die für die Flottenführer des 17. Jahrh. so bezeichnend ist.“

Am 18. Juli gaben die Franzosen die Verfolgung ganz auf; die Verbündeten ankerten am 20. bei Sheerness. Tourville ging, da auch viele seiner Schiffe schwer beschädigt und knapp an Munition[237] waren, nach Havre; es erregte dies das Mißfallen Seignelays, aber der Admiral war der Ansicht, hier die Flotte schneller wieder gefechtsfähig machen zu können. Nach erfolgter Wiederausrüstung unternahm Tourville nichts von Bedeutung mehr, obgleich man wußte, daß die Verbündeten vor dem 10. September nicht auslaufen würden. Auf Drängen Seignelays, der mit der Leistung der Flotte nach dem großen Siege durchaus nicht zufrieden war, ging er schon am 29. Juli, jetzt mit den Galeren, wieder in See, richtete aber nichts aus. Er erschien vor Torbay, landete (5. August) eine kleine Abteilung, verbrannte einige Häuser und kleine Fahrzeuge in Teignmouth, wurde jedoch durch die aufgebotene Miliz bald zum Wiedereinschiffen gezwungen, anstatt die gehoffte Unterstützung im Lande zu finden. Er zeigte sich auch vor Plymouth, wo Killigrew mit seinem Geschwader und dem Convoi (150–200 Schiffe) lag, hielt es aber nicht für angebracht, den Hafen zu forcieren wie ihm befohlen; nach de Jonge hatten sich dort die Kriegsschiffe in guter Verteidigungsstellung vermoort, Forts und Batterien waren durch die Mannschaften der Kauffahrer verstärkt. Ende August kehrte Tourville nach Brest zurück.

So war die Schlacht bei Beachy Head zwar ein großer Sieg gewesen — der hervorragendste Einzelerfolg, den die Franzosen je über die Engländer errungen —, aber kein entscheidender geworden, weil er weder taktisch noch strategisch genügend ausgenutzt wurde. Die Flotte der Verbündeten war zunächst völlig außer Gefecht gesetzt. Die Schiffe beider Nationen besserten in England aus und erst am 26. September lag wieder eine aktionsfähige Macht — jetzt unter dem Befehl von drei Joint-Admirals: Haddock, Killigrew, Ashby — in Spithead; sie zählte gegen 50 Linienschiffe, weil das Mittelmeergeschwader hinzugestoßen war. Also zehn Wochen lang hatten die Franzosen unbestritten die Herrschaft im Kanal — auch in Holland fürchtete man eine Landung und bot die Bürgerwehren auf, um die wichtigsten Küstenplätze zu besetzen —; sie nutzte ihnen nur dadurch, daß ihre Freibeuter unbehindert den feindlichen Handel schädigten.

Für den Landkrieg in Irland war der Seesieg ohne jede Folge, hier war fast an demselben Tage am Boyne die Lage zugunsten Wilhelms schon entschieden.

Jakob II. hatte sich unnütz mit der Belagerung von Städten (z. B. Londonderry) aufgehalten. Nach Wilhelms Landung in Irland hatte ihm Ludwig (dessen Flotte besser die Landung gehindert hätte) geraten, eine entscheidende Schlacht zu vermeiden und sich an den Shannon, in einen ihm völlig ergebenen Teil des Landes, vorläufig zurückzuziehen. Aber Jakob wollte Dublin nicht aufgeben, um seiner Sache nicht moralisch zu schaden; er nahm zur Deckung seiner Hauptstadt eine Stellung am Boyne ein. Hier wurde er am 11. Juli vollständig geschlagen und schiffte sich in Kingsale auf der erwähnten Flottille französischer Fregatten, die eigentlich den St. Georgs-Kanal hätten bewachen sollen, nach Frankreich ein. Er bestürmte nun den König, den Sieg von Beachy Head zu benutzen und ihn mit einer größeren Armee in England landen zu[441] lassen. Ludwig aber, ungehalten über ihn, schlug dies ab und befahl sogar, die französischen Truppen aus Irland zurückzuziehen.

Inwieweit die Rücksicht auf die Trümmer der verbündeten Flotte als immer noch einer „fleet in being“ Tourvilles Lauheit im August hervorgerufen hat, entzieht sich der Beurteilung; Herbert legte in seinem Prozeß großen Wert auf diesen Umstand. Für die frühe Heimkehr der französischen Flotte im August wurden als Gründe „der Zustand der Schiffe“ und „die herannahende schlechte Jahreszeit“ angegeben; vielleicht hat auch die augenblickliche Verstimmung Ludwigs gegen Jakob dazu beigetragen. Ende September ging nur noch ein Teil der Flotte unter d'Amfreville nach Irland hinüber und holte die französischen Truppen zurück. Die Flotte der Verbündeten war noch nicht imstande, dies zu hindern. Am 30. September erschien dann ein Teil mit 7000–8000 Mann unter Marlborough vor Cork. Unter Mitwirkung leichter Schiffe ward diese Stadt genommen, 300 Offiziere und 5000 Mann Jakobs wurden zur Kapitulation gezwungen, bald darauf fiel auch Kingsale und damit die letzte Stadt Jakobs im Süden Irlands. Ein anderer Teil der Flotte hatte den Handelsschutz gegen die Freibeuter Dünkirchens übernommen; die unbedingte Seeherrschaft Frankreichs war also zu Ende.