Grobe Fehler wurden allerdings von der höchsten Leitung (Whitehall) gemacht: Hier war man stets vom Feinde ungenügend unterrichtet; es mangelte an Einsicht und Entschlossenheit, und dabei beanspruchte man die Leitung bis ins kleinste.
Aber auch die Verwaltung war infolge der früheren Mißregierung schlecht: Die Schiffe waren, wenn am meisten nötig, schlecht im Stande, schlecht bemannt und schlecht ausgerüstet. Endlich fehlte die Tatkraft in der Führung, doch ist dies wieder größtenteils eine Folge der politischen Verhältnisse. Die Führer wagten zwar einesteils wegen des mangelhaften Zustandes der Flotte nichts, anderseits aber scheuten sie sich vor Verantwortung. Jakob glaubte an eine besondere Anhänglichkeit der Seeoffiziere an seine Person; auch die unter Wilhelm III. leitenden Kreise hatten diesen Verdacht, sie zweifelten dah433 er an der Treue und Zuverlässigkeit vieler Offiziere. Mißtrauen herrschten im Kabinett und in der Hauptstadt, Parteiwesen und Unentschlossenheit im Offizierkorps. Ein Mann, der sich im Gefecht unglücklich oder unfähig zeigte, mußte gewärtig sein, abgesetzt und zur Verantwortung gezogen, gar des Verrats angeschuldigt zu werden. Da ferner gerade manche der erfahrenen Männer in Verdacht standen, der Regierung feindlich zu sein, so wurden diese nicht ihren Fähigkeiten entsprechend verwendet. Die öffentliche Meinung klagte, daß man ungeeignete Personen bei Besetzung der Stellen bevorzugte, in deren Händen die Leitung der Seemacht lag. Eine weitere Folge dieser Verhältnisse war der beständige Wechsel im Oberkommando der Flotte, zweimal sogar ernannte man Joint-Admirals. Ein solches Unding war nur ohne Schaden möglich gewesen zu Zeiten eines Blake oder Monck, neben denen die Kollegen keine Rolle spielten.
Die holländische Marine war in diesem Kriege in jeder Hinsicht besser als die englische. Sie kam aber nicht zur Geltung, weil sie in der gemeinsamen Flotte wesentlich schwächer vertreten war und stets unter englischem Oberbefehl stand.
Fußnoten:
[226] Vgl. Mahan, Teil I (Seite 168 ff.), von mir bei Vorstehendem zu Rate gezogen und auch stellenweise angeführt.
[227] Clowes, Teil II, Seite 244. Er gibt hier zum letzten Male eine genaue Gesamtliste, später nur noch Veränderungen.
[228] Hauptquelle: de Jonge, Teil III.
[229] De Jonge, Teil III, Beilage VII und VIII.
[230] Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre: „Tourville“.