Die Angriffe der Verbündeten auf die französischen Küsten begannen 1694 mit dem größeren Unternehmen gegen Brest, das völlig scheiterte, weil man den Gegner gut vorbereitet fand. Es folgt dann die Reihe von Beschießungen der Küstenstädte, die den Gegner wenig schädigten und ihren einen Hauptzweck, nennenswerte Truppen von seiner Feldarmee abzuziehen, nicht erreichten. Ein englischer Schriftsteller sagt: „Sie kosteten England mehr, als sie nutzten.“ Den zweiten Hauptzweck, die Freibeuterei lahmzulegen, würde man durch eine andere Verwendung der Seestreitkräfte besser erreicht haben.

In Hinsicht auf die dritte Aufgabe, den Schutz des Handels, versagten die Flotten der Verbündeten überhaupt, wenigstens bis auf die allerletzte Zeit, weil man die Kräfte aus Vorsicht oder eben zu unfruchtbaren Unternehmungen zusammenhielt. Anderseits zeigt der Kreuzerkrieg der Franzosen, wenn er auch erfolgreich war, doch, daß ein solcher nur gestützt auf eine Flotte lebensfähig ist.

Die koloniale und überseeische Kriegführung ist auch in diesem Kriege noch unbedeutend; nur der Zug de Pointis' gegen Cartagena (1697) war von Einfluß auf den Verlauf. Im nächsten Kriege spielt sie eine etwas größere Rolle, von wirklicher Bedeutung wird sie erst in den Kriegen des folgenden Zeitabschnittes.

Colomb (Naval warfare) zieht auch aus den Ereignissen dieses Krieges bemerkenswerte Schlüsse. In den Kapiteln VI und VII: „Versuche, zu einem bestimmten Zwecke die Seeherrschaft zu erringen“ — nämlich einer Invasion — wird gesagt: Die Ereignisse des Jahres 1690 zeigen, daß eine teilweise Beherrschung der See (Tourville nach Beachy Head) noch keine Invasion erlaubt, daß selbst noch mit einer teilweise geschlagenen Flotte gerechnet werden muß. Das Jahr 1692 zeigt die Schwierigkeit, eine „zeitliche“ Seeherrschaft zu gewinnen, sowie die damit verbundene große Gefahr, wenn man eine solche unter allen Umständen erzwingen will.

Colomb sagt: „1690 wurde der französische Versuch vereitelt durch Herberts gesunde Politik, geleitet durch die Überzeugung, daß er die größte Gefahr heraufbeschwöre, wenn seine Flotte infolge eines anderen Verhaltens vernichtet würde.“ (Wir wissen, daß Colomb die Ansicht Herberts billigt.) „Man kann sagen, daß die Franzosen 1692 gerade entgegengesetzt handelten, indem sie ihre Flotte auf einen Wurf einsetzten, um die Invasion zu ermöglichen.“

Weiter wird darauf hingewiesen, daß der Plan einer Invasion 1696 sofort aufgegeben wurde, als man sah, daß die verbündete Flotte fertig und somit eine Überraschung ausgeschlossen sei.

Im Kapitel XII: „Die Bedingungen, unter denen Angriffe von See her gelingen oder scheitern“, nimmt Colomb die Ereignisse an der spanischen Küste als Beispiele dafür, daß auch zu solchen Unternehmungen die unbedingte Seeherrschaft notwendig ist. Beide Parteien geben Belagerungen von See aus auf, sobald sich der Feind nähert, ja nur seeklar gemeldet wird; in den nördlichen Gewässern beginnen die Verbündeten mit den Angriffen auf die Küste erst Ende 1693, als sie unbestritten die See beherrschen. In Hinsicht auf die Durchführung solcher Angriffe bespricht Colomb den größeren auf Brest 1694. Er sagt: die Seeherrschaft war hier vorhanden, aber die Expedition war nicht stark genug und wurde fehlerhaft geleitet.

„There was no heart in it“ (dies sagt er mit Beziehung auf alle derartigen Unternehmungen dieser Jahre) und die Landtruppen waren nicht annähernd genügend stark. Man durfte auch nicht in einer der Buchten bei der Einfahrt landen, deren Strand ganz in eine befestigte Stellung verwandelt war. Man hätte eine stärkere Macht z. B. in der Douarnenez-Bucht außer Bereich der feindlichen Stellung ausschiffen müssen.

Colomb schließt das Kapitel XII: „Wenn man die Stärke der Befestigungen genau kennt, genügend Truppen verwendet, diese außer Bereich der Befestigungen landet, durch die Flotte schlagfertig hält und unterstützt, so ist kein Grund, daran zu zweifeln, daß jeder Platz fällt, vorausgesetzt, daß kein Entsatz über See kommt“.

Unsere Betrachtungen über Strategie dürften zeigen, daß der Einfluß der Kriegführung zur See weit größer hätte sein können. Ludwig XIV. versäumte es, von der zu Anfang vorhandenen Überlegenheit seiner Marine Gebrauch zu machen. Die Seemacht der Verbündeten gewann Zeit, ihre Kraft zur Entfaltung zu bringen, hätte dann aber weit mehr leisten müssen. Sogar Clowes schreibt: „Wenn auch der Frieden günstig war, so kann man doch nicht sagen, daß die Marine in dem achtjährigen Kriege viel zur Hebung des Rufes beigetragen hat, den sie unter Cromwell und auch noch unter Karl II. errungen hatte.“ Die Gründe sind jedoch teilweise durch die Verhältnisse zu entschuldigen.