Alberoni gab trotz der Niederlage bei Passaro und der Aussichtslosigkeit seiner Pläne im Mittelmeer seit Erscheinen der englischen Flotte den Kampf nicht auf. Er rüstete für 1719 in Cadiz und Coruña zwei Geschwader aus, um Truppen an der Küste der Bretagne und in Schottland zu landen, indem er in beiden Ländern mit Aufständen rechnete. Auch diese Unternehmen schlugen fehl.
Der Plan gegen Frankreich wurde nach Entdeckung der Verschwörung gegen den Regenten aufgegeben. Die andere Expedition segelte im Februar von Cadiz — 40 Transporter mit 5000 Mann, und vielem Kriegsmaterial, gedeckt durch 5 Kriegsschiffe — unter dem geächteten James Buttler, Herzog von Ormond, wurde aber am 28. Februar auf der Höhe von Finisterre durch Sturm arg beschädigt und völlig zerstreut. Nur 3 Fregatten mit 5 Transportern erreichten Ross-shire; 400 Mann wurden gelandet und etwa 1500 schottische Jakobiten stießen zu ihnen. Die kleine Macht wurde bald vernichtet, sowie ein Depot der Aufständischen in Donancastle durch Kriegsschiffe genommen. England war an den Küsten vorbereitet gewesen, wenn auch die Kanalflotte, die der Expedition hatte entgegentreten sollen, nicht rechtzeitig seeklar war — englische Quellen sagen: „Wie gewöhnlich!“
Dagegen gingen England und Frankreich jetzt angriffsweise vor. Eine Division der englischen Kanalflotte, Vizeadmiral Mighells, landete im Oktober 1719 24000 Mann bei Vigo, eroberte die Stadt, sprengte die Befestigung, machte reiche Beute und zerstörte die Schiffe dort und in Ponte-Vedra. Eine zweite Division unterstützte französische Truppen, die unter dem Herzog von Berwick von Bayonne aus in Spanien eindrangen und Fuenterrabia, St. Sebastian sowie Santona nahmen. Auch hier wurden auf englisches Drängen überall Hafenanlagen, Werften, sowie alle Kriegsschiffe zerstört; England tat sein möglichstes, das Neuaufblühen der spanischen Marine im Keime zu ersticken, und Frankreich half kurzsichtig dabei. Berwick meldete gar dem Regenten: die englische Regierung kann dem Parlamente zeigen, daß wir alles getan haben, um die spanische Marine zu vernichten.
Selber tat Frankreich so gut wie gar nichts zur See, es transportierte und unterstützte nicht einmal die eigenen Truppen. Nur 11 Linienschiffe wurden nach dem Golf von Mexiko gesandt, um die Niederlassung in Louisiana zu schützen; diese schlugen dort eine schwache spanische Division zurück und eroberten den befestigten Hafen von Pensacola. Holland regte sich gar nicht. Während des kurzen Krieges fanden natürlich Handelsschädigungen statt; gleich nach Passaro hatte Spanien die englischen Schiffe in seinen Häfen mit Beschlag belegt, England antwortete mit Vergeltungsmaßregeln.
Die ununterbrochene Reihe von Niederlagen und die Hoffnungslosigkeit, ohne eine Marine seine Kolonien schützen zu können, brach den Widerstand Spaniens. Alberoni wurde entlassen (5. Dezember 1719) und Philipp V. gab im Haager Frieden 1720 den Forderungen der Quadrupel-Allianz nach. Der König von Savoyen nannte sich von nun an König von Sardinien.
Der Nordische Krieg 1700–1721.
Während des Spanischen Erbfolgekrieges und seiner eben besprochenen Folgen spielte sich im Norden und Osten der große Nordische Krieg ab. Er ist für uns bemerkenswert: Mit ihm endet das anderthalbhundertjährige Zeitalter der Seekriege Dänemarks und Schwedens um die Herrschaft in der Ostsee; eine neue Seemacht, Rußland, tritt hier auf. Auch auf den Verlauf dieses Krieges haben die Seestreitkräfte wesentlichen Einfluß. Endlich zeigt sich in ihm die Macht Englands zur See. Zunächst seien einige Angaben über die beteiligten Marinen gemacht,[280] die deren Entwicklung bis zum Ende unseres Abschnittes veranschaulichen.
Die dänische Marine hatte sich, wie wir wissen, unter Christian V. kräftig entwickelt und im letzten Kriege bewährt; dieser König ließ ihr bis zu seinem Tode (1699) die gleiche Pflege zu teil werden. 1700 war der Schiffsbestand: 33 Linienschiffe — 1 zu 110 Kanonen, 7 zu 80–100, 11 zu 60–78, 14 zu 48–56 —, 9 Fregatten und 33 kleinere Fahrzeuge. Auch für die Ausbildung der Offiziere und Mannschaft wurde gesorgt. Der Nachfolger, Friedrich IV., verstärkte die Flotte weiter, beim Ausbruch des Krieges 1710 zählte sie 41 Linienschiffe; die nützliche Einrichtung der Defensionsschiffe hatte der König 1701, auf Drängen Hollands, leider aufgeben müssen.
Die schwedische Marine hatte sich unter Karl XI. von den Folgen des Krieges erholt, sie war eigentlich durch den Grafen Wachtmeister seit 1680 neu geschaffen. Die Hauptflottenstation war nach Karlskrona verlegt, hier hatte man große Werften eingerichtet. Von 1679–1709 wurden in Stockholm, Kalmar, Riga und Karlskrona 37 Linienschiffe erbaut; das im letzten Kriege sehr minderwertige Offizierkorps wurde reorganisiert. 1700 erschienen vor Kopenhagen 36 Linienschiffe — 1 zu 108 Kanonen, 6 zu 80–90, 29 zu 50–80; 1710 zählte die Marine 48 Linienschiffe und 7 Fregatten.
Der Nordische Krieg schädigte beide Marinen ungemein. 1720 war die dänische Flotte, trotz Neubauten und Einstellung genommener schwedischer Schiffe, auf 25 Linienschiffe (10 Fregatten, 31 Fahrzeuge) zusammengeschmolzen und diese befanden sich in schlechtem Zustande. Infolge der Erschöpfung des Landes ging der Bestand an brauchbarem Material in den nächsten Jahren noch mehr zurück. Als sich unter Christian VI. der Handel wieder hob, erreichte die Marine wieder den Stand einer mittleren Marine damaliger Zeit; 1746 waren 29 Linienschiffe, 10 Fregatten und 34 kleinere Fahrzeuge vorhanden. Die schwedische Flotte zählte 1720 überhaupt nur 33 Segel, die bei weitem nicht sämtlich Linienschiffe waren, und auch hier ging der Ersatz nur langsam vor sich. 1734 besaß Schweden 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und Brigantinen, 11 Spezialschiffe und 18 Galeren. Die Erfolge der Russen mit Ruderfahrzeugen der letzten Art hatten gezeigt, daß eine Schärenküste nur mit Schärenfahrzeugen verteidigt werden könne, aber erst 1756 wurden die Mittel zum Bau einer größeren Zahl bewilligt (1788 waren 170 Galeren und ähnliche Fahrzeuge vorhanden).