Die Truppen wurden unbehindert in die Stadt geworfen (Mitte Juni). In einem bald darauf unternommenen Ausfall trieb man zuerst die Türken in ihre Befestigungen zurück, aber dann entstand durch Explosion eines Pulvermagazins Verwirrung unter den Franzosen, der Führer, Herzog von Beaufort, fiel und man mußte sich zurückziehen. Nachdem um Ende Juli die französischen Schiffe, im Verein mit venetianischen, malteser und päpstlichen Fahrzeugen, die türkischen Batterien ohne Erfolg beschossen hatten, wurden die Truppen wieder eingeschifft und das Unternehmen abgebrochen. Mangel an Vorräten, Uneinigkeit mit den Venetianern und endlich die vorgerückte Jahreszeit werden als Gründe des Mißerfolges angegeben.
Nach dem Falle der Hauptstadt eroberten die Türken bald die letzten festen Plätze der Insel und behielten sie im Besitz.
1684–1699 wurde ein zweiter Krieg um Morea geführt. Als die Türken vor Wien abgeschlagen waren (Sobieski 1683) und in Ungarn hart bedrängt wurden, glaubte Venedig die Zeit zur Wiedergewinnung seiner verlorenen Besitzungen gekommen. Unterstützt durch deutsche Truppen und Malteserritter gelang es Morea, Ägina sowie einen Teil Dalmatiens zu erobern; Angriffe auf Euböa und Kreta schlugen dagegen fehl. Im Frieden von Karlowitz behielt Venedig die genommenen Länder.
Bei der Belagerung Athens durch die venetianische Flotte sprengte eine Bombe das Mittelteil des Parthenon, von den Türken als Pulvermagazin benutzt, in die Luft.
1714 griffen die Türken wieder an und bemächtigten sich leicht Moreas. Zwar trat 1716 Österreich auf seiten Venedigs und errang große Erfolge (Prinz Eugen: Peterwardein, Belgrad), aber den Venetianern gegenüber waren die Türken im Vorteil, besonders auch zur See. Sie behielten im Frieden von Passarowitz 1718 Morea endgültig. Der Republik Venedig verblieben nur das tapfer verteidigte Korfu und Dalmatien; sie war somit in ihren Besitzungen auf das Adriatische Meer beschränkt. Nach diesem letzten Kriege zog sich die Republik ganz zurück. Sie ließ sich auch durch den österreichisch-türkischen Krieg 1738–1740 nicht mehr aus einer Politik der bloßen Erhaltung des Besitzes und der Beschränkung auf den Schutz ihrer Handelsinteressen herauslocken. Venedig zählte weder als Großmacht noch als Seemacht weiter mit.
Aber das osmanische Reich trat als Seemacht nicht an seine Stelle, selbst nicht im Ostmittelmeer. Die türkische Marine, im 16. Jahrh. im ganzen Mittelmeer gefürchtet, verlor mit dem Rückgang des Reiches stetig an Kraft und Bedeutung. Wir haben gesehen, daß die Türken weder imstande waren, ihren Einfluß auf die Barbareskenstaaten aufrecht zu erhalten, noch diese gegen die Angriffe der neuentstandenen Seemächte zu schützen, ja daß deren Flotten schon mit Erfolg im Ostmittelmeer auftraten.
Die Barbareskenstaaten 1715-1740.
Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges trat an die Marinen der Westmächte wiederum die Aufgabe heran, ihren Handel gegen die Barbareskenstaaten zu schützen. So lange Jahr für Jahr starke englisch–holländische Flotten im Mittelmeer waren, hatten diese die Aufgabe mitübernommen und durch abgezweigte Geschwader gelegentlich Verträge erzwungen. Derartige Erfolge nützten aber, wie wir wissen, niemals auf längere Zeit, und so belästigten die Raubstaaten von 1715 an den holländischen Handel wiederum auf das ärgste. Sie hielten sich an einen Friedensvertrag von 1712 nicht gebunden, da Holland die in diesem vereinbarte Auslösung von Sklaven nicht durchführte.[282] Bis 1720 wurden etwa 40 holländische Kauffahrer mit 900 Seeleuten und 6 Millionen Gulden Ladungswert abgefangen; die Raubstaaten hatten gegen 50 Schiffe, einige mit 40-50 Kanonen, im Dienst. Die Verhältnisse lagen in Holland so traurig, daß man sich zunächst darauf beschränken mußte, Freibeuter ausrüsten zu lassen und die alten, in den Kriegsjahren vernachlässigten Bestimmungen über die Armierung der Levantefahrer zum Selbstschutz wieder schärfer durchzuführen. Von 1718 an sandte man jährlich eine Division von 3-4 Kriegsschiffen und erst von 1722 an eine solche von 6-8, kleine Linienschiffe und schwere Fregatten, in die bedrohten Gewässer; diese führten denn auch 1725 einen Vertrag mit Algier und 1728 mit Tunis herbei. Doch hatte infolge der halben Maßregeln der Handel weitere große Verluste erlitten und Marokko war noch nicht zum Nachgeben gebracht. Dann wurden die Geschwader wieder kleiner, ja von 1732 an betätigte sich die Admiralität Amsterdam allein an dem Schutze gegen Marokko; dieser Staat ging erst 1746 auf einen Vertrag ein.
Auch Frankreich entsandte während der Regentschaft und in den ersten Regierungsjahren Ludwigs XV. kleinere Geschwader, 1728 wurde Tripolis bombardiert; sie errangen gleichfalls nur zeitliche Erfolge.