Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, daß die ostindische Kompagnie 1653 das Kapland besetzte. Schon früher war die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation auf den Reisen nach Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der Hauptpunkt, besonders auch da 1657 die englisch-ostindische Kompagnie St. Helena in Besitz nahm und stark befestigte. Im Kaplande bildete sich neben der Station der Kompagnie eine Niederlassung freier Bürger, die Wein- und Gemüsebau mit Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie ihre Kosten. Die Kompagnie mußte diesen ihren einzigen Stützpunkt auf dem Wege nach Indien halten, im übrigen stockte die Entwicklung der Kolonien bald; noch 1750 sprachen die Behörden am Orte dem Lande jede Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht bezahlt, suchten die Beamten, Privatgeschäfte zu machen, hinderten eine umfangreiche Besiedlung, waren bestechlich und eigenmächtig. Mangel an Arbeitskräften sowie Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu.
Versuche, sich an der Ostküste Afrikas festzusetzen, scheiterten; auch die Delagoabay wurde wieder aufgegeben.
England hatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldküste gegründet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mächten (Holland, Dänemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete sich die westafrikanische Kompagnie (an ihrer Spitze der Herzog von York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmäßige Negerausfuhr betreiben wollte. Sie übernahm einige Forts des Herzogs von Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Küste und eroberte andere von den Holländern, wie eben erwähnt. 1672 trat eine neue Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besaß um 1710 ein Fort an der Mündung des Gambia (28 Weiße, 7 Kanonen), zwei an der Sierra-Leone-Küste und elf an der Goldküste (das größte, Capecoastcastle 93 Weiße, 42 Kanonen; drei mit 20 Weißen und 25 Kanonen und so hinab bis zu 6 Weißen und 6 Kanonen; zwei oder drei gar nur mit 2 Weißen). Der Negerhandel blühte sehr auf; 1680–1688 sind über 46 000 ausgeführt, später jährlich über 20000. Der sonstige Handel spielte nur eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr 110543 Lstrl., der der Einfuhr 62787 Lstrl.
Die Kompagnie machte gute Geschäfte, so lange sie das Monopol hatte, bis 1688. Neben dem Negerhandel führte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz und besonders Gold aus; 1673 wurden von diesem zum ersten Male Goldmünzen geschlagen und „Guineas“ genannt. Die „declaration of right“, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments erteilten Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere Engländer[621] begannen den Handel und die Gesellschaft kämpfte denselben Kampf um ihre Vorrechte wie die ostindische, aber sie unterlag; der Handel wurde freigegeben, die Kompagnie erreichte nur eine Unterstützung von seiten der Regierung zur Erhaltung der Forts. 1750 wurde die Gesellschaft aufgelöst; um aber die Forts halten zu können, wurden sämtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen, zu einer Körperschaft zusammenzutreten — einer sogenannten „regulated company“ im Gegensatz zu einer „joint stock company“ —, die Regierung mußte aber weiter zuschießen. (Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 364 ff.)
Die Besetzung St. Helenas ist bereits erwähnt; die Insel blieb, mit kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz.
Frankreich betrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften Sklavenhandel an der Westküste[289] vom Kap Branco bis zur Sierra-Leone-Küste, eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der Mündung des Senegal (St. Louis). 1664 erwarb die Compagnie des Indes Occidentales das alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die Holländer und Engländer, die die besten Plätze im Besitz hatten, nicht aufkommen. 1667 wurden den Holländern wichtige Plätze südlich des Kap Verde abgenommen (Gorée, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr Handel im Pfälzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten, wurde 1697 der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu kolonisieren, sich nicht mehr auf die Negerausfuhr zu beschränken; es wurden neben neuen Stationen an der Küste auch solche im Innern angelegt. Diese Bestrebungen hatten Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht und nachdem die Lawsche Compagnie d'Occident die Sache in die Hand genommen. Wenn auch der Handel kein sehr einträglicher war — man rechnete die Ausfuhr, einschließlich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem Gewinn von 200000 im Jahre —, so war doch der französische Einfluß in Senegambien und bis zum Kap Branco hinauf bedeutender als der der Engländer, die nur am Gambia saßen; er war gestützt auf gut im Stande gehaltene Forts: an der Arguinküste Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil); St. Louis am Senegal (Mündung); Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter stromauf); Gorée, Portudal, Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter südlich Bintam.
Die Insel Arguin war ursprünglich holländisch. Das Fort hier wurde 1677 auf demselben Zuge zerstört, der den Holländern die Plätze in Senegambien kostete. 1683 hatte sich Brandenburg auf Arguin niedergelassen, trat es aber wieder an Holland ab und dieses wurde 1721 von den Franzosen mit Gewalt vertrieben.
An der Ostküste Afrikas haben die Franzosen 1642–1643 eine Niederlassung auf Madagaskar gegründet (Fort Dauphin). Wie (bei Indien) angedeutet, hatte die große Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue — sie führte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und für 1194000 Frank Waren — hauptsächlich den Zweck, die ganze Insel zu erobern; sie mißlang völlig und 1674 wurde diese Kolonie überhaupt aufgegeben.
Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblößt von allen Lebensmitteln traf die Expedition in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in traurigster Verfassung; die Ansiedler lebten in stetem Kampf mit den Eingeborenen und hatten kaum genügend Nahrung. Die Neuangekommenen verlangten, völlig enttäuscht, nach Frankreich zurückgeschafft zu werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition entsandt hatte, erklärten, die Kolonie habe keine Zukunft; die Gesellschaft gab sie denn auch 1669 an die Krone zurück und ließ ihre Indienfahrer nicht mehr Fort Dauphin, sondern die Insel Bourbon anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache noch nicht auf und selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklärten, aushalten zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien 1671 anbot, sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf seiner Rückreise 1674 die Insel anlief, fand er Fort Dauphin zerstört und die Ansiedler von ihren Sklaven und den Eingeborenen ermordet, nur 63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufällig eingetroffenen französischen Schiffe die Insel verlassen.