Als besonders für Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die allen indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwähnte Ostender Kompagnie drohte. Nachdem die spanischen Niederlande an Österreich gefallen waren, glaubten die Kaufleute dieser Provinz, endlich die Möglichkeit zu haben, wie die Holländer Handel nach Indien zu treiben; 1714 trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die eigenen indischen Kompagnien vergeblich bekämpften und auf diese Weise am indischen Handel teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte sich das Interesse für das Unternehmen, Kaiser Karl VI. nahm es unter seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und Holland Schiffe auf, rüstete sie in Ostende und Lissabon aus; 1716 erschienen die ersten[617] Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der Koromandelküste. Die älteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung ihrer Verträge; die Regierungen unterstützten sie auf diplomatischem Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare, Unterstützung der neuen Gesellschaft und erließen Befehle, deren Schiffe abzufangen. Die Ostender Kompagnie ließ sich nicht entmutigen, obgleich tatsächlich Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb zunächst fest. 1720 z. B. segelten. 6 Schiffe, Faktoreien wurden in Bengalen, an der Koromandelküste sowie in Kanton gegründet und gute Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser 1727 auf das Drängen der Seemächte zugunsten seiner Verhandlungen über die pragmatische Sanktion zunächst das Recht der Kompagnie für sieben Jahre auf und versprach später in einem Vertrage mit England und Holland, 1731, für immer Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen Niederlanden aus zu verbieten. Wäre Deutschland ein mächtiger einheitlicher Staat gewesen, so würde es sich damals wohl einen Anteil an den Ländern des südlichen Asiens haben sichern können.

Frankreichs[288] Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht zur Festsetzung in Indien geführt (Seite [90]). 1664 wurde die Compagnie des Indes Orientales gegründet, der König schoß 4 Millionen zinslos vor und versprach, für zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu übernehmen. Die Städte, der Klerus, die Steuerpächter, die Noblesse de la Robe wurden zur Beteiligung bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3 kamen ein. Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und Madagaskar sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. später unter „Afrika“) auf 50 Jahre, Prämien für Ausfuhr sowie die zu erobernden Gebiete als Eigentum zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen unter Admiral de Mondevergue, in erster Linie nach Madagaskar bestimmt, in See, von ihr zweigte sich ein Teil unter einem Direktor der Gesellschaft, Caron, für Indien ab und gründete (1668) Faktoreien in Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor am Ganges. 1669 folgte ein starkes Geschwader unter Oberst de la Haye, der als Generalleutnant des Indes orientales den Indern die Macht Frankreichs zeigen, mit dem Mogul in Verbindung treten und auf Ceylon sowie Banca neue Ansiedlungen gründen sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem Wege zu erreichen, da England schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten nicht wagen würde. Man fand aber den auf Ceylon in Aussicht genommenen Platz schon von den Holländern besetzt (1672) und wurde durch das Erscheinen überlegener holländischer Seestreitkräfte gehindert, sich auf einigen kleinen Inseln in der Nähe niederzulassen. De la Haye eroberte nun St. Thomé an der Koromandelküste, wurde jedoch auch von hier (1674) durch den Herrscher von Golkonda, unterstützt durch die Holländer, wieder vertrieben, von Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen gründete 1674 ein Beamter der Kompagnie, François Martin, mit nur geringen Mitteln eine Kolonie in Pondichery, diese hielt sich und sollte die Grundlage der späteren Macht werden. Martin verstand es, sich stets mit den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann Generaldirektor in Indien, knüpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreien in Surat sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurück und gewann eine neue in Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688–1713, wirkte jedoch so nachteilig, daß die Kompagnie ihre Geschäfte einstellen und ihre Rechte an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mußte, aber auch diese fanden ihre Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten, die anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Gründungen trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb die Compagnie des Indes, die die Rechte der alten Gesellschaft für Indien erhalten hatte, bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen von Mahé, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Plätze besiedelt und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die Ausfuhr nach Frankreich 2¼ Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien blühten die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf dem Wege nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glück, nacheinander tüchtige Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735, dann Dumas, endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und praktisch; an der Spitze jeder größeren Kolonie stand ein Gouverneur mit einem Rate von fünf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf Schaffung von Schulen für die Eingeborenen und auf Französierung dieser; die natürlichen Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewächse aller Art zur Prüfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt.

Als Dumas sein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den Europäern günstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das Mogulreich; seine Provinzen mußten sich selber schützen und kümmerten sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus.

Unter Dupleix, unterstützt durch den Gouverneur La Bourdonnais auf Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Engländern gefährliche Macht zu werden.

Spanien verblieben nach Räumung der letzten Ansiedlungen auf den Molukken im fernen Osten nur die Philippinen (Seite [75]). Die Inseln brachten während des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In dem großen Kriege mit den Holländern bedrohten diese die Verbindung mit Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas (sowie Formosas) bemächtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kämpfe mit diesen, Streitigkeiten der Behörden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren — Kämpfe der Jesuiten mit anderen Orden — füllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. Im Spanischen Erbfolgekriege störten englische Kreuzer den Handel. Während der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische Einfluß auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln, auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen über die Einführung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757 übertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um 79800 Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschuß (250000 Pesos) leisten mußte.

Afrika.

Portugal war wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen hatte (Seite [61], [63]). An der Westküste hatte ihm Holland während seines Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldküste abgenommen; auch England (sowie Dänemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt. 1740 besaß Portugal außer den nördlichen Inseln, Madeira und den Kapverden, nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thomé und Principe sowie die Provinz Angola: den Küstenstrich von Ambris bis Mossamedes mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien von sehr geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Stützpunkte für die Indienfahrt und als Bezugsquelle für die Negersklaven, die man in Brasilien brauchte, betrachtet.

An der Ostküste, die einst ganz in ihren Händen gewesen war, hatten die Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. bedurfte es großer Anstrengungen, den nördlichen Teil (Mombas, Melinde, Sansibar) gegen Angriffe der Türken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen, angezettelt durch die Türken, zu halten, und auch der südliche Teil (Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward öfters schwer durch die Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Holländer während des Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen und diese hatten dann in der zweiten Hälfte beständig unter den Angriffen der Araber (des Imam von Maskan) zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im Süden fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die Delagoabay. So besaß Portugal 1740 nur noch die Küsten von Mosambique nebst Sofala. Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu heben, hatten wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Für Erschließung des Innern geschah nichts, die Kaffernstämme bedrohten selbst die Küstenstädte; schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln hinderten jeden Aufschwung.

Holland und zwar die westindische Kompagnie (Seite [87/88]) hatte Niederlassungen in Senegambien, Hauptort die Insel Gorée, gegründet und an der Goldküste die Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen wurden in den Kriegen mit England (Seite [252]) und mit Frankreich (Seite [371]) mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in Nordamerika und Westindien, größtenteils verloren; 1674 waren an der Goldküste nur noch einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina.

Die Niederlassungen bestanden in größeren und kleineren Forts (bei England wird die Stärke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben werden), von denen aus der Handel betrieben wurde; irgend welchen Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft über Eingeborene hatte man nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren,[620] die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem anderen fremden Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die Verhältnisse die gleichen; die Forts der verschiedenen Völker lagen, oft in nächster Nähe, durcheinander. Um 1674 mußte die alte westindische Kompagnie ihre Geschäfte einstellen; eine neugegründete war nicht imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die Macht Hollands in Westafrika gering.