Die Unsicherheit der Meere zwang also zunächst zur Bewaffnung der Handelsschiffe, es kam aber noch ein Grund hinzu. Wir haben gesehen, daß sich der Handel jenseits der Ozeane nur durch Gewaltmaßregeln ausbreitete. Die Portugiesen mußten die arabischen Händler vertreiben und ihren Handel den indischen Eingeborenen aufzwingen, die Spanier mußten Länder erobern; da beide dann in ihrem Bereich die Alleinherrschaft im Handel beanspruchten, traten die nachkommenden Nationen dort auch wieder mit Gewalt auf und befehdeten sich untereinander. Es war dabei gleichgültig, ob die betreffenden Völker in Europa im Frieden oder im Kriege lebten. Den Wahlspruch Drakes (Seite [80]) erweiternd, sagte man in England: „Kein Friede gilt unter der Linie“ (no peace beyond the line), d. h. in außereuropäischen Gewässern, und diesem Grundsatze huldigten auch die andern Völker. Die Seefahrt wurde mithin aus offensiven und defensiven Gründen bewaffnet getrieben; die Seefahrer mußten auch Krieger sein. Die charakteristischsten Figuren sind wohl die englischen Abenteurer dieser Zeit; sie betrieben Krieg, Raub, Geschäft, Entdeckung und Kolonisation nebeneinander.
Dieses Leben erzog wagemutige tüchtige, aber auch rauhe Männer. Wenn die Seeräuber die Besatzungen genommener Schiffe als Sklaven verkauften oder über die Klinge springen ließen, so haben es die Spanier in den Gewässern ihrer Kolonien nicht besser gemacht; kein Wunder, wenn es die Freibeuter der nordischen Völker mit Gleichem vergalten. Die Achtung von Eigentum auf See war von alters her gering; von einzelnen der berühmten Freibeuter, z. B. Drake, wird deshalb besonders hervorgehoben, daß sie Privateigentum geschont hätten.
Die Kauffahrteischiffe waren brauchbar auch zu Kriegszwecken, die wenigen Kriegsschiffe unterschieden sich anfangs kaum von ihnen; auch als diese häufiger gebaut wurden, ließen sich die Kauffahrteischiffe lange noch leicht für den Kriegsdienst verbessern.
Fußnoten:
[24] Besonders benutzte Quellen: Oncken Teil IX; Zimmermann.
[25] Genaueres über diese Expeditionen, über Ausbreitung der portugiesischen Macht und die damit verbundenen Kämpfe in Zimmermann. Band 1.
[26] Näheres über diesen Plan, teils wörtlich, in Oncken Bd. IX.
[27] Genaueres über die weiteren Expeditionen, die Gründung und Entwicklung der spanischen Kolonien in Zimmermann, Band 1.
[28] Die Insel Tidor liegt tatsächlich auf 127½° O. Greenwich; die Demarkationslinie war 131½° O. Greenwich; Spanien nahm für Tidor 158°, Portugal 112° O. Greenwich an.