Lord Howard of Effingham.
Englands Rüstungen waren anfangs sehr vernachlässigt. Bei ihrer Neigung zur Sparsamkeit gab sich Elisabeth leicht und gern der Hoffnung hin, daß der Krieg in der bisherigen Weise, also fern von Englands Küsten, weitergeführt werden würde, außerdem schwebten fortlaufend Friedensverhandlungen; jedenfalls dachte sie nach den Erfolgen Drakes 1587 wohl nicht an eine baldige Ausführung der großen spanischen Expedition. Die tüchtigsten Seeoffiziere aber ließen die Vorgänge in Spanien und in den Niederlanden nicht aus den Augen, und auf ihr Drängen begann man ausgangs des Winters 1588 ernstlicher zu rüsten. Mehr konnten sie nicht erreichen; der Vorschlag des Lordhighadmiral Lord Howard of Effingham, ein Geschwader von 6 großen und 6 kleinen Schiffen mit regelmäßiger Ablösung zur Beobachtung und zum Angriff auslaufender Gegner stets an der spanischen Küste zu halten, sowie die noch offensivere Absicht Drakes, mit dem größten Teil der königlichen Schiffe und den Fahrzeugen, die die Stadt London ausrüsten ließ, den Feind wie im Jahre vorher in seinen eigenen Häfen anzugreifen, fanden keine Genehmigung. Nach dem ersten mißglückten Auslaufen der Armada befahl die Königin sogar die Abrüstung der schwersten Kriegsschiffe, aber Howard hielt die Ausführung der Order durch Vorstellungen hin, und infolge der Nachrichten, daß die Expedition nicht aufgegeben sei, bot nun die Königin auf, was das Land an See- und Landstreitkräften stellen konnte: An den Südküsten wurden Truppen zusammengezogen und Signalstationen errichtet; die königlichen Schiffe wurden sämtlich in Dienst gestellt und Kauffahrer geheuert; die Seestädte bereiteten Fahrzeuge für den Küstenschutz vor; Private stellten Schiffe, wohl oft bisherige Freibeuter, zur Verfügung. In dieser Weise wuchsen die englischen Seestreitkräfte beständig, auch noch während des späteren Feldzugs.
Den Oberbefehl auf See hatte der Lordhighadmiral Howard erhalten. Er befehligte die Hauptflotte im Westen des Kanals, unter ihm dienten Drake, der ein Geschwader von armierten Kauffahrern führte, Frobisher, Hawkins, Fenner und andere schon berühmte Seeleute; weitere Geschwader, besonders die Schiffe Londons, standen unter Seymour und Winter im Osten zur Deckung der Themse und zur Beobachtung der flandrischen Küste.
Howard hatte nie den Plan aufgegeben, dem Feinde bis zur spanischen Küste entgegen zu gehen, es fehlten jedoch Ausrüstungsgegenstände, vor allem Proviant, die vom Osten erwartet wurden. Als er auf die Nachricht vom ersten Inseegehen der Armada Ende Mai trotzdem segeln wollte, obgleich er z. B. nur für etwa 14 Tage Proviant hatte, erhielt er den Befehl, nur am Eingange des Kanals zu kreuzen. Vergeblich stellte er vor, daß er von dort bei den vorherrschenden Westwinden nicht im stande sei, dem Feinde gleichzeitig den Weg nach Irland und durch den Kanal zur verlegen, beide Ziele aber könne dieser haben; es sei richtiger, sich schon an der spanischen Küste an ihn zu hängen. Noch bis zum 22. Juni klagt er über das Ausbleiben der Transporter und wird um so besorgter, da schon am 13. Juni spanische Schiffe zwischen Ouessant und den Scillys gesehen wurden; es waren Fahrzeuge, die der Sturm bei dem ersten Auslaufen bis hierher vertrieben hatte. Als am 23. endlich der Proviant eingetroffen war, ging der Admiral am 24. in See und kreuzte am Eingange des Kanals. Er hatte die Flotte in drei Teile geteilt: die Hauptmacht stand in der Mitte des Kanals, der Vizeadmiral der Flotte Drake lag nach Ouessant, der Kontreadmiral Hawkins nach den Scillys zu; stete Verbindung wurde zwischen den drei Geschwadern aufrecht erhalten. Vom 8. bis 10. Juli ging er südlicher, da er aber fürchtete, der Feind habe schon ungesichtet passiert, kehrte er am 12. Juli, also gerade am Tage der endgültigen Abfahrt der Armada, nach Plymouth zurück, um Wasser aufzufüllen; er ließ jedoch einige leichte Fahrzeuge als Beobachtungsposten draußen. Bemerkenswert, weil von Einfluß auf das Schicksal der spanischen Flotte, ist, daß — wie sowohl Howard als Seymour am 12. und 13. Juli berichten — das Wetter in diesem Sommer ganz außergewöhnlich schlecht und stürmisch war und sie einen großen Krankenbestand hatten; wie mußte diese Witterung auf die Seeleute und gar erst die Soldaten des Südens wirken!
Die gesamten englischen Seestreitkräfte, die der Armada nach und nach entgegentraten, zeigt die Zusammenstellung[58] auf der nächsten Seite.
Der Bestand war also 34 Kriegsschiffe, darunter 8 über 600 tons und 14 über 500 tons. Diese waren größtenteils als Hauptmacht unter Howard vereinigt, einige der größeren dienten aber auch als Flaggschiffe Drakes, Winters, Seymours oder befanden sich bei den Geschwadern der beiden letzten Admirale als deren Kern (Gruppenführer).
Der Gesamtbestand der englischen Flotte war 182 Segel mit 14520 Mann, wozu noch 15 Transporter mit 810 Mann traten.