1602 führte man die Beobachtung der feindlichen Küsten schärfer und länger im Jahre durch (auch Holland entsandte 1602 dazu ein Geschwader), machte in diesem Jahre reiche Beute auf dem Wasser und an der Küste und vernichtete verschiedene nach Flandern bestimmte Galeren. Für das Jahr 1603 waren sogar 2 Geschwader vorgesehen, die sich in dem Überwachungsdienste ablösen sollten. Sie segelten aber nicht mehr, da man nach dem schon zu erwartenden Tode Elisabeths Thronfolgestreitigkeiten und möglicherweise Einmischungen von außen fürchtete.
Jakob I. schloß 1604 Frieden mit Spanien und verbot auch die Freibeuterei gegen den spanischen Handel.
Die Abwehr der Armada und der weitere Krieg hatten Englands Überlegenheit zur See gezeigt. Die Seemacht Spaniens war schwer erschüttert, ihr Prestige verloren, aber sie war doch nicht gänzlich niedergeworfen; noch mehrfach wurden Versuche gemacht, sich wieder aufzuraffen, wie wir auch besonders noch bei der Geschichte Hollands sehen werden. Als Jakob I. Frieden schloß, war dies nicht im Sinne der für die Seemachtspolitik Englands begeisterten Männer. Aber unter den Stuarts wurde der Flotte nicht mehr die Pflege zu teil wie bisher, wenigstens nicht unter Jakob, und die Seekriege wurden nicht mit der Energie der Zeit unter Elisabeth geführt; erst Cromwell sollte das Werk Elisabeths fortsetzen.
Wir können deshalb die letzten Kriege Englands in diesem Zeitabschnitt[65] ganz kurz fassen. Das Bedeutendste sind die Kämpfe der ostindischen Kompagnie mit Portugal in Indien, die trotz des Friedens ausgefochten wurden. Wir kennen den Grundsatz der Zeit: „Kein Frieden hat Gültigkeit unter der Linie.“ So wurden denn auch die gegenseitigen Handelsstörungen im Atlantik fortgesetzt und zwar allem Anschein nach jetzt besonders von seiten Spaniens. Die englische Marine war unter Jakob fast untätig, so daß auch die Barbaresken ihre Raubzüge mit Geschwadern bis in den Kanal ausdehnten. Eine 1620 gegen Algier gesandte Expedition — 6 königliche Schiffe und 12 Kauffahrer — richtete nicht viel aus.
Die Kriege Englands gegen Frankreich in dieser Zeit (Hugenottenkriege) sind bereits, da unwesentlich nur kurz, erwähnt. Als Buckinghams von persönlichen Motiven geleitete Politik Karl I. bald nach seiner Thronbesteigung zunächst auf seiten Frankreichs gegen Spanien führte, so daß sogar englische Schiffe gegen die Hugenotten in La Rochelle verwendet wurden, entsandte man 1625 nochmals eine große Expedition — 9 Kriegsschiffe, 90 Transporter mit Landtruppen, dazu 16 Holländer — gegen Spanien mit ähnlichen Orders wie 1587 und 1596. Es war aber nur eine traurige Nachahmung dieser Unternehmungen und endete als ein Schlag ins Wasser ohne jeden Erfolg.
Die Expedition war mangelhaft ausgerüstet und wurde ebenso geführt. Die zahlreichen Kauffahrer waren nur mit 8–12 Kanonen armiert und standen ganz unter dem Befehl ihrer früheren Kapitäne. Den Oberbefehl führte Viscount Wimbledon, ein Landoffizier, der nicht einmal als solcher ein höheres Kommando innegehabt hatte. Nach verschiedenen Plänen, die als unausführbar aufgegeben wurden, segelte man nach Cadiz, wo wiederum eine große Anzahl feindlicher Schiffe (95) lag. Der Vizeadmiral der Flotte, Graf Essex, griff an und trieb sie in den Binnenhafen, wurde aber sofort zurückgerufen; der Flottenchef fürchtete den großen Tiefgang seiner Schiffe, ohne zu bedenken, daß Drake 1587 mit Benutzung des Handlots den Hafen forciert hatte, daß Howard und Essex (Vater) 1596 dasselbe mit ebenso großen Schiffen getan hatten, nur die Schiffe von 800 tons waren damals draußen geblieben. Die Flotte ankerte bei Puerto de S. Maria (Skizze Seite [136]); etliche Holländer erhielten wie 1596 den Befehl, gemeinsam mit einigen Kauffahrern Fort Puntal zu beschießen, dann ging der Flottenchef zu Bett. Die Holländer erlitten nur Verluste, da die Kauffahrer, unbemerkt und unbestraft, fernblieben. Am andern Tage wurde gelandet und das Fort angegriffen, es ergab sich sofort; glücklicherweise, denn man hatte die Sturmleitern und den Proviant vergessen. Anstatt nun die Schiffe im Hafen zu vernichten, die Stellung durch Zerstörung der Zuazo-Brücke zu sichern und dann weiteren Nutzen aus der Landung zu ziehen, fielen die Truppen auf der Suche nach Proviant über das große Weinlager der westindischen[139] Flotten her und betranken sich so, daß alles aufgegeben und wieder eingeschifft werden mußte. Der Versuch, jetzt die Silberflotte abzufangen, mißlang; diese lief in Cadiz zwei Tage nach Abgang der englischen Flotte von dort ein.
Die nächsten Jahre brachten nichts weiter gegen Spanien, da der Krieg mit Frankreich (um La Rochelle; vgl. Seite [112]) entbrannte; 1629 und 1630 schloß England mit beiden Ländern Frieden.
Mit dem Beginn der ernstlichen Mißstimmung zwischen dem Könige von England und dem Parlament 1642 erhob sich auch der Streit über die Verfügung über die Flotte; mehrfach besetzten König und Parlament die Hauptkommandostellen mit verschiedenen Personen. Im allgemeinen war die Stimmung in der Marine lange für den König. Als aber die Endkatastrophe hereinbrach, gelang es 1649 doch nur einem Admiral, Sir William Batton, 11 Schiffe nach Holland dem Prinzen von Wales zuzuführen, die übrigen Geschwader hielten zum Parlament, wohl infolge der Gesinnung ihrer Admirale. Vier dieser Schiffe kehrten bald nach England zurück, der Rest operierte mit einigen anderen Schiffen der königlichen Partei, die schon in Holland gewesen waren, in den nächsten Jahren unter Prinz Ruprecht von der Pfalz gegen die Republik.
Auch von seiten Hollands[66] wurde der Krieg gegen Spanien nach Abwehr der Armada in anderer Weise geführt. Die Beteiligung an den englischen Expeditionen 1596 und 1597 ist erwähnt; ermutigt durch den Erfolg, rüstete man 1599 eine eigene Flotte zu gleichem Zweck aus. Wenn man infolge des Vertrages bisher bereitwillig seine Kräfte unter englischen Oberbefehl gestellt hatte, so war dies mit Rücksicht darauf geschehen, daß die englische Marine stärker an großen Kriegsschiffen war, und weil man der Königin Elisabeth für ihre Unterstützung Dank schuldete; jetzt strebte man aber danach, selbst eine gebietende Seemacht zu werden. Man hatte auch nach dem Untergang der Armada begonnen, größere Kriegsschiffe für die offene See zu bauen. Die Flotte, unter van Doos, war 73 Segel stark und mit Landungstruppen versehen. Sie lief am 15. Mai 1599 aus, fand aber die Spanier in Coruña und auch sonst an der Küste benachrichtigt, segelte deshalb nach den Kanaren und brandschatzte diese. Von hier wurde eine Hälfte nach Haus gesandt, die andere ging nach Westindien; sie hatte jedoch keinen Erfolg, da der Ausbruch einer Seuche, der auch der Führer erlag, und das Nahen einer spanischen Flotte (Seite [137]) zur Rückkehr zwang. 1606 wurden zwei Geschwader nach der spanischen Küste gesandt; eines machte reiche Beute, das andere wurde durch überlegene Kräfte geschlagen. 1607 dagegen vernichtete eine 26 Segel starke Macht unter Jakob van Heemskerk eine gleichstarke, aber aus größeren Schiffen bestehende spanische Flotte, die auf der Rhede von Gibraltar zu Anker lag. Diese Tat trug nicht nur zur Hebung des Ansehens der holländischen Seemacht bei — selbst den Türken gegenüber, der holländische Handel im Mittelmeer hob sich infolge dessen wesentlich —, sie beschleunigte auch wohl die schon begonnenen Waffenstillstandsunterhandlungen.