„Hier, bitte!“

Der quittengelbe Zwerg schob das Gläschen hinüber und kniff wieder das rechte japanische Schlitzauge über dem schwärzlichen Aalgewimmel der Cholera-Kommas im Wassertröpfchen des Mikroskops. An seiner Seite präparierte Dr. Woinowitsch, der riesenhafte Sohn der Schwarzen Berge, mit einer Hand, die gewohnt schien, den Yatagan zu führen, das Kleinhirn eines chloroformierten Meerschweinchens in dünne Scheiben zum Serum gegen die Hundswut.

Es war in dem Laboratorium kühl, wie in einer Kirche. Eine sonderbare Luft, voll Äther und Zigarrenrauch, wehte zu Schjelting hinaus. Dann hörte er plötzlich Inges Stimme:

„Hat Niemand das Radium gesehen?“

Inge Tillesen war von dem Nebenraum her hereingekommen. Sie trug nicht wie die Andern den Assistentenkittel. Sie erschien von drüben nur im Auftrag ihres Vaters. Dr. Pfeiffer hob den bärtigen Kopf von einer Kartoffelscheibe voll Mäusepest.

„Das hat Exzellenz gestern hier auf dem Tisch liegen lassen!“

Inge umwickelte mit ihrem Taschentuch die kleine Kapsel, in deren Glasgehäuse, einem kleinen Korkflöckchen ähnlich, das Geheimnis der Welt unsichtbar und lautlos seine Energiemassen in die Weite schleuderte. Draußen im Gang knatterte es heftig. Märchenhafte blaue und grüne Flammen zuckten im Nebenraum aus dem Röntgenapparat. Davor stand Schjelting.

„Sie suchen wohl meinen Vater?“

Er verneinte mit slawisch-schmiegsamer Verbeugung.