„Sie sind ein guter Hasser, Herr von Schjelting. Das hindert Sie, wie ich sehe, nicht, die Hilfe des Landes nachzusuchen, das Sie da in Ihrem letzten Kapitel aus der Liste der Völker streichen wollen. Ich hätte Ihnen auch gern geholfen...“
„Exzellenz ... ich...“
„Aber gegen die Reinkultur von Deutschenhaß, die Sie da in sich und Anderen züchten, giebt es auch in meinem Laboratorium kein Mittel. Nehmen Sie statt dessen eine Warnung von mir mit auf den Weg: Sie laufen in Ihrem Büchlein Sturm gegen ein von Ihnen mechanisch konstruiertes Deutschland. Sie ziehen an Schnüren Gliederpuppen von Offizieren, Königen, unzufriedenen Arbeitern, Junkern, malen Kasernen und Fabriken. Was dahinter steht, ahnen Sie nicht: den deutschen Geist!“
Der Gelehrte begleitete Schjelting bis zur Schwelle.
„Sie waren gestern in meinem Hause zu Gast. Vielleicht haben Sie da einen Hauch davon gespürt. Ich könnte mir denken, daß das in Etwas Ihre Ansichten über die Ausrottung Deutschlands mildert. Und daß Sie dann auch besser schlafen... Ich wünsche es Ihnen. Leben Sie wohl!“
Nicolai Schjelting stand draußen auf dem Flur. Er lachte höhnisch auf und schritt davon, ohne auf den Weg zu achten, und verfehlte ihn und fand sich plötzlich in dem Seitengang zu dem Laboratorium.
Die Türe nach dem ersten Arbeitsraum stand offen. Drinnen war es groß, kahl, hell. Tausende von Glasplättchen und Reagenzgläsern an den weißen Wänden. Herren und Damen in weißen Kitteln an den weißen Tischen. Haufen von weißen Mäusen lagen darauf, lebten noch in Käfigen, wurden geimpft, gemessen, seziert, zu Hunderten in Tabellen eingetragen, in Fieberkurven protokolliert.
„Ach, geben Sie mir doch mal schnell den Milzbrand rüber!“ sagte Dr. Käthe Cornelius. Dr. Irma Enderlin neben ihr meinte:
„Ich hab’ ihn nicht! Ich steck’ bis über die Ohren im Flecktyphus! Katsura feixt so rätselhaft: wahrscheinlich hat der ihn annektiert.“