Bitte um Stille ringsum. Lebauld de Temple, der Pariser Conférencier, sprach mitten im Zimmer, lässig im Stehen an einen Armstuhl gelehnt, in schallendem, scharf die Endsilben betonenden Französisch, über das Wesen der Eleganz. Als der Beifall am Schluß die andächtige Stille unterbrach, kam Isebrink auf die beiden Schwestern zu. Er war vergnügt wie ein Schuljunge und gab Inge, als sei nichts geschehen, die Hand.

„Ein toller Komiker — nicht? An dem Kerl ist alles zu lang! Die Haare, die Rockschöße — der Kragen... Haben Sie nicht ’ne Scheere, gnädige Frau?“

„Ist das der Dank, daß ich Sie eingeladen hab’?“

Isebrink lachte nur, mit einem warmen und glücklichen Schein in den Augen, der seine innere Aufregung verriet. Inge dachte sich: Er muß ja glauben, daß ich ihn hab rufen lassen. Ihre Züge wurden unwillkürlich hart. Ihre Schwester entsann sich plötzlich ihrer Gastgeberpflichten, entschlüpfte den Beiden, tauchte drüben wieder auf, breitete strahlend die Arme aus.

„Eccolo!... In fine!... Sia il benvenuto, maëstro!... Signore e Signori — mi permette de presentarle il compositore dell’ opera ‚Truffatori‘!“

Sie war stolz auf die Reinheit ihrer Aussprache nach dem Volkswort: Lingua Toscana in bocca Romana. Toskanerzunge in Römermund. Der Komponist der ‚Gauner‘ lächelte herablassend. Alle Laster Neapels wohnten auf seinem blaurasierten Mittelmeergesicht. Er winkte gönnerhaft mit der großen, weißen, reichberingten Frauenhand einigen Bekannten zu.

„So toll war’s hier noch nie!“ sagte Paul Isebrink und lachte. Alles stimmte ihn heiter. Er und Inge standen jetzt allein. Nun wurde seine Stimme leise, weich, von einem halb fragenden Jubel belebt.

„Na Inge...“

„Was denn?“