„Er hat alle deutschen Luftschiffhallen besucht!“

„Er hat den Flugplatz Fuhlsbüttel photographiert!“

„Aber dann haben sie ihn in Köln festgenommen...“

„... und freigelassen! Er ist schon wieder in Paris!“

Die Franzosen lachten über die deutsche Gutmütigkeit, die Engländer, die Schotten, die Yankees. Selbst über das Gelbgesicht des kleinen japanesischen Schwertritters flog das rätselhafte Greinen der ostasiatischen Sphinx. Nicolai Schjelting hatte die Gelegenheit benutzt, unbemerkt mit seiner Frau zu verschwinden. Es war schon spät am Abend. Trotzdem wollte er mit ihr noch zu einer dritten ‚Reception‘. Während der Londoner Season mußte man die Zeit nutzen. Aber kaum in der Limousine, versetzte sie mit ungewohnter Härte: „Ich will nach Hause!“ Dann schwieg sie, bis der Wagen vor dem Ritz-Hotel in Piccadilly hielt.

Das war ihm neu. Sonst stand ihr der Mund nicht still. Gerade in letzter Zeit hatte es mehr Auftritte in ihrer unglücklichen Ehe gegeben als je. Ihr fliegendes, messerscharfes Pariserisch hallte ihm noch in den Ohren. Jetzt brach sie oben in ihrer Suit, ihrer Zimmerflucht, auf einmal los, nachdem sie die Zofe hatte schlafengehen heißen. Sie stand in einem weißseidenen Frisiermantel, die Elfenbeinbürste wie eine Waffe in der Hand, das rötliche Haar in losen Wellen um Wangen und Schultern. Ihre Nasenflügel bebten. Die rot getönten Lippen spielten und zuckten in atemlosem Redefluß. Ihr Gesicht verlor jetzt, wo nicht mehr trällernde Lebenslust darauf lächelte, an Reiz. Ihre Stimme bekam in der Erregung einen heiseren, welschen Klang.

„Ah — mein Freund: das ist zu viel!... Es ist genug!... Ich habe Alles geduldet! Ich habe meine Zeit und meine Jugend verloren! Aber ich bin dieser Opfer satt! Sie führen ja zu nichts ... zu nichts ... zu nichts...“

Er hatte seinen Frack mit der bastfarbenen Verschnürung einer Pyjama-Jacke vertauscht. Er nahm übernächtig und übellaunig das Glas Whisky mit Soda von den Lippen.

„Was denn?... Verzeihung: Ich gestehe, daß ich Deine Aufregung nicht begreife!“

„Ich habe Dir hunderttausend Francs Rente mitgebracht!“