Zum ersten Mal jetzt kam ihm der Schrecken: diese Veränderung stammt nicht aus ihr selbst ... aus dem flachen Leichtsinn ihres rasch bewegten, rasch gestillten Pariser Seelchens. Hinter so viel Zittern und Zorn steckt fremder Einfluß! Steckt irgend ein Mann! Es ist wahr: ich habe nicht mehr auf sie aufgepaßt in diesen letzten Monaten. Ich war wie verhext...
„Schließlich: Jeder nach seinem Geschmack!“ sagte Ghislaine Schjelting verächtlich. „Wenn es Dir besser da unten gefällt, wo sich Floh und Wanze gute Nacht sagen, unter bewaffneten Räubern statt bei mir und in dem schönen Brüssel: Ich beglückwünsche Dich zu so viel Entsagung, mein Lieber, aber ich beklage mich nicht!“
„Nun also!“
Er trat rasch zurück. Er dachte wirklich einen Moment, sie würde ihm in die Augen fahren, so schoß sie auf ihn los. Ihr heißer, junger Atem wehte ihn an.
„Auf Flöhe und Räuber bin ich nicht eifersüchtig. Von Politik verstehe ich nichts. Ich ließ Dich ruhig kommen und gehen! Ich habe mich nie gefragt, was Du in der Fremde treibst! Ich habe nachsichtig gelächelt, wenn Du in den Pariser und Petersburger Salons vor den Damen Deine Künste spielen ließest! Meine Eltern sagten mir, der Abbé, Alle: Solch Blendwerk gehört mit dazu!“
„Sehr richtig!“ versetzte Nicolai Schjelting.
„Die Frauen gehören mit dazu! Wohl verstanden! Aber nicht eine Frau, mein Lieber!... Siehst Du: Jetzt kannst sogar Du Dich nicht verstellen! Du wirst blaß! Du weichst meinem Blick aus!“
„Nicht weiter! Seien wir darüber einig: die Lächerlichkeit tötet!“
„Glaubst Du denn, ich kennte Dich nicht! Ich merkte nicht, wie Du Dich seit vier oder sechs Wochen verändert hast!... Du, — der weiße Othello — hattest ja unter Menschen keinen Blick mehr für mich...“
„War es etwa nötig?“