„Da kennst Du eine freie Britin schlecht. Die sieht keinen Deutschen an! Die hält sich nur an ihre Landsleute.“
„Weißt Du: eigentlich sind wir Deutsche doch zu geduldig! Es ist merkwürdig!“
„Es ist Vieles merkwürdig!“ sagte die kleine blonde Mrs. Higgins. „...Ich greife mir immer an den Kopf ... ich weiß nicht: bin ich allein so dumm oder kommt es, weil ich mit einem Bein in jedem Land stehe — da in Deutschland und da in England... Aber sag’ selbst: Zur großen Verbrüderung kommen die Einen auf Mordmaschinen angeschwommen, und die Anderen stellen ihre Schlachtenveteranen am Ufer auf... Zwischen den Kanonen wird auf dem Wasser getanzt, zu Land sitzen sie bei Tisch mit dem Säbel an der Seite. Und wenn sie sich beim Einlaufen freundlich mit Breitseiten einen gesegneten guten Morgen wünschen, dann zittert das ganze Ufer. Das ist doch Krieg im Frieden oder Frieden im Krieg. Aber: eines von Beiden kann doch nur richtig sein!“
„Sonderbar...“
„Wie ich jetzt in dem Jubel und Trubel hier hereingekommen bin, hab’ ich mich wieder gefragt: haben wir denn ein Recht, ewig Feste zu feiern? Wo um uns Alles voll Gefahren ist? Siehst Du ... da drüben improvisieren sie ein Tänzchen auf dem Verdeck... Nein ... links vom ‚Ajax‘! Da — ja! Aber wir waren gestern an Bord von so einem Kasten. Unten ist alles voll von Munition und die Torpedos liegen im Kühlen. Ein Funken und... Und oben tanzen sie eben! Aber wielange noch?“
„Hannah! So hab’ ich Dich noch nie gesehen!“
„Also hör’ mal!“ Die kleine Frau rückte näher an die Schwester heran und barg sich an ihrer Schulter. „Ich war seekrank auf der Überfahrt!“
„Das wirst Du ja immer!“
„Ich hab nicht die Pferdenerven, wie das People. Gut also, ich lag da und konnte nicht schlafen. Und oben, an Deck, grade über mir, sprachen noch ein paar Herren... Es war tote See, weißt Du. Da klatscht es nur alle Minute einmal. Aber sonst ist’s still!“
„Na und —?“