Hannah Higgins saß am nächsten Tag allein in ihrem Zimmer. Nun wehten überall in Stadt und Hafen, auf Schiffen und Häusern die Flaggen und Fahnen auf Halbstock. Was noch an Festschmuck vergangener Tage da und dort hing, wirkte wie Hohn in dieser bleiernen, stummen Schwüle. Vom Strandweg her hörte sie die halblauten Mitteilungen der sich Begegnenden.

„Seine Majestät reist eben ab. Nach Potsdam.“

„Das englische Geschwader fährt morgen nach Hause.“

Hannah Higgins sah hinüber nach der Rhede. Da lagen noch die britischen Kolosse. Aber sie hatten nicht mehr über die Toppen geflaggt. Kein Gewimmel von Gästen belebte sie mehr. Kein fröhlicher Empfang mehr am Fallreep, kein Flirten unter den lang starrenden Geschützrohren, kein Tänzchen auf dem Deck. Diese Verdecke wurden jetzt von Hunderten von barfüßigen Matrosen gesäubert, Alles zur Abfahrt gerichtet. „Georg V.“ und die Seinen waren aus schwimmenden Festsälen wieder zu schwimmenden Festungen geworden.

Zwei deutsche Marineoffiziere gingen unten vorbei. Der Eine sagte zum Andern:

„Seit gestern sind die Engländer wie ausgewechselt! Die reinen steinernen Gäste!“

„Die Kälte ist schon beinahe feindselig.“

Professor Higgins trat herein. Er hatte von seinem Bruder Abschied genommen. Sir William ließ seine Yachtgäste im Stich und fuhr mit dem nächsten Schnellzug nach London zurück.

„Ach Jerôme!“ sagte seine Frau auf Englisch. „Welch ein schimpfliches, schmähliches Verbrechen!“

Zu ihrem Befremden antwortete der Professor nicht. Sie frug sich: Um Gotteswillen, hat ihm am Ende sein großer Bruder gesagt, es sei in diesem Falle weise für einen Engländer, beide Augen zuzumachen?