Den bewaffneten Helden am Tisch schien dies wichtig. Nicolai Schjelting zog hochmütig die Brauen über den kühlen grauen Augen empor. Sein längliches, nervös bewegliches Gesicht verhehlte kaum den Petersburger Dünkel gegenüber diesem Frosch-Mäuse-Krieg von Blutrache und Hammeldiebstahl. Jetzt galt es größere Dinge. Er griff wieder das Wort Wien auf.
„Kaiser Franz Josef ist nach Ischl zurück, Sir!“
Ein nachdenkliches Kopfschütteln.
„Und Kaiser Wilhelm trat ruhig seine Nordlandreise an!“
Sollte der Frieden erhalten bleiben? Sorgenvolle Gesichter. Einer der bewaffneten Staatsräte meinte:
„Vielleicht will Gott, daß wir noch Zeit gewinnen. Wir sind noch erschöpft vom letzten Krieg!“
Nicolai Schjelting lächelte verbindlich. Er kam sich wieder einmal vor, wie der Tierbändiger im Käfig. Er benutzte die Frage, wohin er von hier ginge?
„Zunächst nach Skutari!“ sagte er harmlos.
In den Augen der orthodoxen Woiwoden glomm es wild auf. Da unten, in der Weite, jenseits der grünen Wellen, lag Skutari — das reiche Skutari, das Ziel der Sehnsucht und Habsucht. Man hatte Monde lang davor gelegen und gestürmt. Der König hatte jeden Verwundeten umarmt und geküßt. Umsonst. Mohammeds Streiter hatten das Feld behauptet. Von den Moscheen sangen die Muezzin. Nicolai Schjelting sah, daß der krieghetzende Stoß saß. Er lächelte.
„Oder — um ernsthaft zu reden — möchte ich morgen mit Euer Majestät Erlaubnis und Geleit auf dem kürzesten Weg über Novibazar und Staratz nach Belgrad!“