„Ich melde mich morgen hier als zurückgekehrt bei Seiner Majestät. Ich bin mit ihm verwandt!“

Der Alte mag wieder schön an der Wiener Börse spekulieren, dachte sich Nicolai Schjelting, und dann weiter, ganz unvermittelt: Wie ist die Welt doch klein. Dieser Mensch da kennt Inge Tillesen seit Jahren. Weiß jedenfalls viel von ihr. Er konnte sich nicht enthalten. Er frug im Laufe des Gesprächs:

„Verkehrten Sie auch im Hause des Geheimrats?“

„Wenig.“

„Er ist Witwer, nicht wahr?“

„Ja. Eine Tochter führt ihm den Haushalt!“

„Ich entsinne mich ihrer flüchtig. Wird sie denn nicht auch einmal heiraten?“

„Ich glaube, sie ist verlobt. Schon lange. Mit einem preußischen Hauptmann!“

Der Montenegriner sagte es gleichgiltig. Er hatte andere Dinge in seinem kriegerisch wilden Gelehrtenkopf. Nicolai Schjelting frug nicht weiter. Sein Herz klopfte. Schlug wieder stürmisch im vollsten Dünkel des Herren des halben asiatischen und europäischen Erdteils, während er am nächsten Morgen im offenen Wägelchen dem einstigen Sandschak Novibazar zufuhr. Dieser Isebrink... Ein Offizierchen!... Pah!... Nicht einmal in der Garde!... Nicht einmal ein Edelmann! Was galt in Rußland ein bürgerlicher Hauptmann von der Linieninfanterie? Er gehörte halb zum Volk! Nicolai Schjelting lächelte hochfahrend unter seinem Sonnenschirm. Er sagte sich: Mit Dir wird man noch fertig werden, mein Brüderchen, mit Euch Deutschen Allen!

Überall in der grauen, glühenden Felseneinsamkeit schwangen längs des Saumpfades die Männer die Spitzhacke, klopften Frauen und Mädchen Steine, schleppten Kinder in Körben Schotter herbei. Die freien Cernagoren bauten neue Militärstraßen für den kommenden Krieg. Schjelting sah es mit Wohlgefallen. Dankte sogar hier in Montenegro auf die Grüße des Volks: Arbeitet nur für Moskau, die große Mutter, die Euch von dem apokalyptischen Tier erlösen wird! Schanzt nur fleißig gegen den Antichrist! Ihr kostet uns Geld genug, Ihr Flöhe der Schwarzen Berge.