Ihr Serben auch! Er liebte die Serben, aber er herrschte sie an wie seine eigenen Bedienten, während er, der große Herr aus Petersburg, auf der Bahn nach Belgrad fuhr. Da ragte schon draußen im grünen Bergwald das kleine steinerne Kreuz: die Stelle, wo Fürst Milosch von seinen Untertanen ermordet worden war. Man näherte sich der serbischen Hauptstadt, dem Hexenkessel Europas, auf langgestrecktem, schmalen Höhenrücken, äußerlich einer unkultivierten Mittelstadt mit steinernen Gassen und modernen Regierungsgebäuden ähnlich. Auf dem Bahnhof wartete Professor Korsakoff, der Panslawist. Der schmächtige Mann mit den fanatischen Blauaugen über den vorspringenden mongolischen Backenknochen, den breiten Nüstern, dem schütteren blonden Vollbart, stand da wie ein russisches Urbild inmitten der Serben. Er und Schjelting umarmten sich und küßten sich dreimal auf die Wangen. Hier war man ja unter sich. Schon auf slawischer Erde. Der faule Westen hörte hinter der Save auf.

Von der Gesandtschaft war niemand da. Das wunderte Schjelting.

„Nun — und Sie sind so gedrückt, Wladimir Timoféitsch? Was ist geschehen?“

„Erbarmen Sie sich — Sie wissen noch nicht, daß Hartwig tot ist?“

„Unser Gesandter?“

„Am Herzschlag gestorben! Und wo?: In der Studinitza!“

„Bei dem österreichischen Gesandten?“

„So ist es! Im Gespräch mit ihm!“

„Was haben sie sich erzählt?“

„Niemand weiß es!“