Fürst Tschewadses Großvater schon war als Geißel der Tscherkessenkriege orthodox im Petersburger Pagenkorps erzogen. Nichts an ihm selbst verriet äußerlich noch seine kaukasische Abstammung. Er war mager, bräunlich wie ein Zigeuner, mit schwermütigen Augen. Aber seine Instinkte waren noch dem Geist des Morgenlandes nahe. Er war hier, in dem wütenden Kampfe Peras um die Seele Stambuls, an seinem Platz. Für Schjelting bedeutete er nach Korsakoff, diesem „wahrhaften Russen“, nach diesen Vierhändern von Serben und Cernagoren den Träger von Petersburg-Pariser Kultur. Hier, seinesgleichen gegenüber, wurde er sofort wieder doktrinär.
„Wie denn, Fürst?“ sagte er, während sie im offnen Phaëton, einen mit dem Karabiner bewaffneten Wächter neben dem Kutscher auf dem Bock, durch den Turmbau von Babel dahinfuhren. „Die österreichische Note — nun — was wird sie enthalten? Einerlei — wir werden antworten — man wird diskutieren — bis es uns beliebt, loszuschlagen. Wir haben Zeit. Ich richte mich hier am Bosporus auf Wochen ein!“
„Wenn aber doch...“
Eine abwehrende Handbewegung Schjeltings.
„Sie wissen, ich halte nicht viel vom diplomatischen Metier. Ich untersuche lieber als einfacher homme d’esprit die Vorbedingungen der Geschehnisse. Nehmen wir das Nächste: Unsere Mutter Erde! Niemand, außer dem Vater Iwan von Kronstadt oder sonst einem Wundertäter, kann zugleich mähen und schießen. Also kann der Balkan erst nach der Ernte in den Krieg. Der Oktober brachte uns vor zwei Jahren kein Heil. Also sagen wir September. Den Tag von Kreuzes Erhöhung!“
„Aber auch wir Russen müssen bereit sein...“
„Zeit... Zeit...! Zeigt, wozu Eure procès verbaux und Collectivnoten gut sind! Inzwischen marschiert Mütterchen Rußland vom Amur und Pamir ab auf allen Wegen. Stehen wir erst gleichzeitig mit den Westlichen an der Grenze, so ist die Welt unser!“
„Ha!... Da ist er!“
Mitten auf der Brücke ritt ihnen ein jugendlicher Pascha mit kühnem Antlitz und aufgedrehtem Schnurrbart entgegen. Die Moslim führten vor ihm die Hand an die Stirn und Brust, die Levantiner lüfteten die Hüte. Ein großes Gefolge von Offizieren war hinter ihm. Darunter ein paar unverkennbare deutsche Militärgesichter.