IX.

In diesen Juli-Tagen hielt die Welt den Atem an. Dies Europa, das ganze Menschenalter des Friedens nicht mehr als Geschenk jedes neuen Morgens, sondern längst als selbstverständliche Pflicht der Vorsehung hinnahm, und dabei doch seit einem halben Jahrhundert von Waffen starrte, in Erwartung des Kriegs, des schon halb schattenhaft gewordenen Riesen der Urzeit.

Es ging ein Zittern durch die Mutter Erde. In ihr erwachten die schlafenden Heere. Tief im Süden stand eine pinienförmige Rauchwolke düster über dem Krater des Vesuv. Unten auf der Marina des Städtchens, gegenüber dem fernen Neapel, eine Gruppe Bersaglieri am Kaffeehaustisch. Die Hahnenfedern flatterten in der Seebrise. Listige Augen. Weiße Zähne. Das Händespiel von Jahrmarktsgauklern.

„Che c’e di nuovo?“

„Tuttavia niente!“

Was werden wir tun? Ein Zwinkern auf den braunen Gesichtern...

Was wir tun? „Far vista di...“ Ein Mund am Ohr des Andern. Ein Lazzaronenlachen. Nur Geduld...

Sturmstöße vom Schneemantel der Maladetta über die grauen Steinhütten des Pyrenäendorfs nahe der spanischen Grenze. Blutrotes Weingeträufel aus dem Zickleinschlauch an der Decke der Schmugglerherberge in die Becher der französischen Offiziere der Gebirgsartillerie. Finstere Blicke nach Osten. Wie weit von hier die Vogesen! Der Rhein, wie weit...