Nicolai Schjelting zuckte geringschätzig die Achseln. Er dachte sich: diese Art Seelen sind doch immer gleich im Mauseloch. Er sagte nachlässig:
„Sie werden nicht soweit kommen! Immerhin... Vielleicht geht Madame für einige Wochen, bis der Rhein von unseren Verbündeten überschritten ist, ein wenig an die See. Nach Ostende. Dort wird die Saison dies Jahr besonders glänzend. Viel Amerikaner und Engländer. Vom Krieg wird man da nichts merken, außer den Siegesfahnen längs der Digue!“
„Monsieur, die Kurse!“
Ein Angestellter überbrachte die letzten schwarzen Ziffern der Handelsdepeschen auf blauem Seidenpapier. Die beiden Belgier suchten instinktiv darauf die Stammplätze ihrer Lieblingswerte. Dann schauten sie sich an. Die Haare standen ihnen zu Berge: War das noch französische Rente? Belgische Staatsanleihe? Ein Sturm in den Papierwäldern aller Börsen Europas. Die stolz in Menschenaltern des Friedens emporgeschossenen Kursbäume bogen sich vor brüllenden Stößen aus allen vier Windrichtungen zugleich... Nirgends ein Halt. Die einzelnen Plätze rissen einander mit sich wie die Regimenter eines fliehenden Heeres.
Das war die Sprache, die Vlame wie Wallone verstanden. Nun merkte man erst ... klammerte sich an...
„England — was macht nur England?“
„Ja — wer das wüßte!“
Nicolai Schjelting hatte den beiden entsetzten Geschäftsmännern so gleichgiltig den Rücken gedreht, als wären es zwei Kassenschränke. Unten vor dem Haus traf er einen hohen belgischen Militär, dessen Weißkopf in anderen Heeren auf einen jovialen Feldwebel gewiesen hätte. Der General Janssen hielt ihn fest.
„Wie steht es, Herr von Schjelting: Krieg oder Frieden?“