„Ja. Nun geht Alles weit darüber hinaus!“
„Aber warum erkennen wir das erst jetzt?“
„Liebes Kind!“ sagte der Gelehrte und stand auf. „In Jedem von uns steckt ein Stück Deutschland mit seinen Rätseln und seinen Tiefen. Wer kennt sich ganz und wer kennt Deutschland aus? Nun kommt uns vielleicht die Lösung des Rätsels von außen. Das Wunder geschieht nicht zum ersten Mal... Nun Inge... Ich geh’ jetzt wieder an die Arbeit!“
Ganz Deutschland ging an diesem Tag mit Exzellenz Tillesen noch einmal an die Arbeit, das schaffenfreudigste, das gewissenhafteste, das gründlichste aller Völker. Es war jetzt noch, in der Gewohnheit vieler Jahrzehnte des Friedens, mit frohem Eifer am Werk des Tages, während unter ihm die Erde schon bebte. Es riß sich schwer, zögernd, ungläubig von der liebgewordenen Beschäftigung am Schreibpult und Schraubstock, an Pflugschar und Ambos, an Hauptbuch und Heizkessel los, es schaltete langsam seine Gedanken um, bis zu der letzten Erkenntnis: Auch der Krieg ist deutsche Arbeit! Durch Jahrtausende bewährte deutsche Arbeit, so stark und gründlich wie die des Friedens.
Inge Tillesen stand am Fenster. Draußen warfen die Bäume schon ihre abendlichen Schatten über das heiße Pflaster. Karl, der Diener, lief eben in bloßem Kopf und weißer Schürze aus dem Haus. Er war alter 80er Füsilier. Er rannte alle Augenblicke bis zur nächsten Straßenecke, um nach Extrablättern zu schauen. Inge achtete nicht auf ihn. Sie fuhr zusammen und sagte halblaut zu sich:
„Herrgott ... da ist er ja wieder!“
Nicolai Schjelting stand auf der anderen Seite der Straße, gerade der Villa gegenüber. Stand nachlässig wie gewöhnlich, blendend angezogen, den Strohhut auf Pariser Art nach hinten geschoben, die Hände auf dem Rücken. Er schaute unausgesetzt, mit einem gespannten Gesichtsausdruck, nach dem Hause hin...
„Ach ... mag er schon...“