Er zuckte mit einer beinahe müden Bewegung der Überlegenheit seine schmalen und hängenden Schultern und zog die Augenbrauen hoch.
„Aus diesem Euch feindlichen Europa flüchten? Erwägen Sie, Fräulein Tillesen: Die Engländer verbieten Euch die Meere! Sie sperren Euch auch die Nahrungszufuhr! Sie haben den General Hunger wie wir den General Winter. Beide sind unwiderstehlich. Selbst der große Napoleon wurde von uns besiegt!“
„Ich wollte blos, ich wär’ ein Mann!“ sagte Inge.
„Und endlich: Gott will es, daß zu allen Dingen dieser Welt Geld gehört! Nun ... sehen wir zu: Ihr Vater ist wohlhabend! Ich weiß es! Aber was hilft ihm das jetzt? Er wird sich umsonst in die Reihen der Verzweifelten stellen, die vor den verschlossenen Banken Spalier bilden. Diese Tore werden sich seinem angstvollen Pochen nicht öffnen... Warum lachen Sie denn?“
„Mein guter Vater und nach Geld hämmern... Da drüben hat er gerade wieder ’mal sein Portemonnaie auf dem Diwan liegen lassen!“
„Enfin: Euer wirtschaftlicher Zusammenbruch ist unvermeidlich. Als ein Teil der allgemeinen Katastrophe! — une débâcle — Ich bemitleide Sie!“
„Sind Sie nun fertig? Ich bewundere meine eigene Geduld, Herr von Schjelting, mit der ich die ganze Zeit diese bösartige Phantastik mit angehört hab’! Wir sind immer viel zu höflich mit Ausländern!“
„Wie denn? Ich rede zu Ihnen, nicht wie zu einer Moskauer Kaufmannsfrau, sondern zu einer europäischen Intellektuellen, die den Zusammenhang der Dinge übersieht! Bitte, nehmen Sie meine Worte ernst!“
„Ich hab’ davon Eines begriffen: Wenn der Krieg wirklich kommt, dann kommt er, weil Ihr keine blasse Ahnung habt, wer wir sind und was wir können!“