„Du... Was war das nur mit uns bisher?... Warum waren wir nur so verblendet...?“

„... weil wir Deutsche sind, Kind! Wir vertragen uns immer erst, wenn wir müssen! Aber dann auch gründlich!“

„Ach Gott ja — was hat Jeder aus sich für ein Wesen gemacht!“ sagte Inge, während sie weitergingen. „Da dachte man, es käme auf Einen an und kam sich wichtig vor — und nun sieh’ mal hier die Menge...“

„Ja, heut’ gefallen mir die Leute, durch die Bank!“

„Wer wußte denn auch, daß wir seit Jahren am Rand des Verderbens hingegangen sind...“

„Wir haben’s Euch ewig gepredigt!“

Die Leute umher machten unwillkürlich dem Hauptmann in Feldgrau Platz. Junge Männer schauten ihn ernst an, mit dem Gedanken: Also so Einer wird uns führen! Mütter betrachteten ihn, und es lag in ihrem Blick: Euch vertrauen wir unsere Söhne an! Ein vornehm gekleideter Herr sagte zu seiner Frau: „Siehst Du die roten Streifen? Das ist der Kopf! Wir von der Landwehr sind bloß die Faust...“

„Deutschland, Deutschland über Alles!“ Wieder klang das Lied. Ein Trupp Studenten in bunten Mützen zog vorbei. Auf dem Weg zum Generalkommando. Zur Meldung als Kriegsfreiwillige. Geschlossen, das ganze Corps. Sie riefen es lachend dem Hauptmann Isebrink zu. Er lachte und winkte ihnen mit der Hand zurück, schon wie jungen Kameraden! Eine Sekunde flackerte das Kriegswetter in seinen Augen. Es war Inge, als leuchteten all diese Menschen von innen heraus, als wären sie gar nicht mehr sie selbst. Sie dachte wieder an das Trauungswort der jungen Hauptmannsbraut von vorhin. Es war wie dessen Widerschein auf den tausend Gesichtern, in den tausend Augenpaaren umher: Unser Keiner lebt sich selber und Keiner stirbt sich selber! Sie hing sich fester an Isebrinks Arm und sagte:

„Weißt Du ... eigentlich ist das Alles ja ein einziges Wunder...“

Er lachte unbekümmert.