„Bedaure! Es geht keiner mehr! Um Mitternacht schließt in ganz Deutschland der Eisenbahnverkehr!“

„Auf wie lange?“

„Mindestens für Wochen. Vielleicht für Monate!“

Er suchte sein Zimmer auf, setzte sich hin, starrte verstört vor sich nieder. Gefangen! Was war denn das? Das hatte er nicht erwartet. In Deutschland wurde Einem doch sonst alles so bequem gemacht. Namentlich einem Amerikaner, für den er galt. Mit etwas Dünkel kam ein Ausländer da immer durch. Er frug unten am nächsten Morgen noch einmal:

„Die Fremden müssen doch abreisen! Früher nahm man doch auf sie jede Rücksicht.“

„Gewiß!“

„Warum nun auf einmal nicht mehr?“

„Ja, jetzt befehlen unsere Offiziere!“

Draußen wimmelte es von Offizieren. Viele nun schon in Feldgrau. Die Menge machte ihnen überall Platz. Die Massen schienen Schjelting noch gewachsen, die Stimmung noch gehoben. Ein feierliches Leuchten auf allen Gesichtern. Deutschland rüstete sich zum vierten August. Er, der Russe, verstand den deutschen Auferstehungstag nicht. Er hatte in der Verklärung draußen plötzlich noch eine letzte Hoffnung. Er sagte sich im Lauf der nächsten Tage: Wie war denn das mit Deutschland? Es trug in letzter Zeit nicht mehr die Pickelhaube, sondern kam mit dem Musterkoffer über die russische Grenze. Nicht mehr aus Potsdam, sondern aus Essen. Es nutzte nicht die heilige Allianz, sondern den neuen Handelsvertrag. Es war überall. Auf der ganzen Welt hatte es sich sein windiges Gerüst industrieller Unternehmungen gebaut. Nun kommt der Orkan. Wirft seine Kartenhäuser über den Haufen. Das Ende ist da...

Er lief hinüber in die Behrenstraße. Die dehnte sich still und friedlich. Nicht mehr Menschen als sonst gingen durch die Portale der Banken aus und ein. Er bog um die Ecke der Französischen Straße. Dasselbe Bild. Er stand auf dem Opernplatz vor der Dresdener Bank. Wieder das Gleiche. Diese deutschen Finanzpaläste ragten stumm und unerschütterlich, Schulter an Schulter, wie von Kopf bis zu Fuß gepanzerte Ritter.