„Potsdam.“

Das preußische Sparta lebte von Soldaten. Trotzige Kreideinschriften an den Kasernentoren verkündeten: ‚Hier werden noch Kriegserklärungen entgegengenommen!‘

Schjelting zuckte die Achseln. Nun ja — die Garde! Nun ja — Potsdam! Nun ja — Berlin! Das war nicht Deutschland! Deutschland, in seiner Not und seinem Bangen jedes Einzelnen und Kleinen, seiner Verzweiflung in Haus und Hütte, das würde man jetzt erst sehen! Man fuhr ja mitten durch Deutschland, bis an den Rhein.

Da schon ein Stück: Ein märkischer Edelhof, einstöckig, langgestreckt, im grünen Park. Der alte Junker auf der Freitreppe, mit Frau und blonder Töchterschar, Mamsellen und Mägden. Vor ihnen im Sattel ein junger Ulanen-Leutnant.

„Gott befohlen!“

„Kriegsheil!“

Galopp! Weg. Und der alte Herr grimmig zu dem Frauenvolk:

„Nu mal Kopp hoch! Alle Viere werden sie wohl nicht wiederkommen, Mutter! Na ... dann ist’s eben Zeit, daß wieder ’mal ’n Kalck für den König stirbt!“

„Können wir nicht rascher fahren?“ frug Schjelting nach einer Weile des Schweigens. Der Chauffeur zuckte die Achseln. Man wurde ja alle Augenblicke, so wie eben an dem Schloß, von den Schutzwachen angehalten, die Papiere durchbuchstabiert. Nie fehlte einer der bärtigen Männer auf seinem Posten.