Und wieder sagte Schjelting unvermittelt, nach langem Schweigen, zu Morskoi:

„Es fehlt Etwas...“

„Petró ... paß auf, Du!... He!“

Der Hauptmann hatte es zu dem Wagenführer hinaufgerufen. Die schnurgerade Chaussee nach Nordenburg lag vor ihnen plötzlich voll von Baumstämmen. Hunderte und Tausende von russischen Soldaten arbeiteten in fiebernder Hast am Fällen der prachtvollen Ulmen. Da waren sie in ihrem Element. So waren sie oft genug im roten Hemd, die Axt im Gürtel, als Bauern in den Wald gegangen. Sie hieben die Zweige ab, bauten kunstvolle Astverhaue längs des Straßengrabens.

„Das sieht ja nach Verteidigung aus!“ sagte der Moskauer Staatsrat stirnerunzelnd. „Wie das? Man erwartet doch nicht den Feind?“

„Ich weiß es nicht...“ sagte der Hauptmann.

Und Schjelting dachte sich: Ja ... ich weiß es nicht... Wo hört man es nicht bei uns ... dies: ich weiß es nicht! Niemand weiß Etwas... Alles ist unbestimmt... Alles verschwimmt... Von irgendwo wird befohlen...

Sie machten einen scharfen Bogen und fuhren gegen Gerdauen weiter, nunmehr genau in die Richtung nach Deutschland hinein. Das dumpfe, schwere Grollen umher wurde jetzt mit jedem Kilometer stärker. Wenn das Auto hielt, hörte man es vor sich, rechts, noch heftiger links, scheinbar von allen Seiten. Schjelting und Morskoi hatten nie gedient. Aber sie sahen sich trotzdem fragend und besorgt an. Der Hauptmann vor ihnen lächelte und rauchte. Träumerisches Asien war in seinem Blick.

Der Bahnhof von Gerdauen lag vor der Stadt. Ihm gegenüber flammte das große Kreishaus, das Landratsamt, die Reichspost... Die Güterschuppen längs der Schienenstränge standen in Brand. Glühende Getreidewirbel hoben sich knatternd gleich Raketen in die Luft, verkohlten noch im Fallen das verhungerte Vieh, das draußen in den Sumpfwiesen lag. Es war eine Hitze wie in einem Backofen. Mitten darin stand ein nagelneuer Petersburger Sanitätszug, weißlackiert, mit rotem Kreuz. Die Soldaten liefen und schleppten und stopften ihn im Schweiß ihres Angesichts voll mit Pflügen, Eggen, Heuwendern, Weinkisten, Zuckerhüten, Kleiderbündeln. Der Offizier, der dabei stand, strahlte. Er kannte den Hauptmann im Auto und reichte ihm die Hand.

„Wie wird sich meine Fenitschka freuen! Ich schicke ihr eine ganze Ausstattung für unsere Datsche bei Jekaterinoslaw. Sogar ein Klavier fand sich! Da steht es in der Ecke unter den Kopfkissen. Sie kann doch spielen. Sie lernte es in dem Pensionat in Odessa. Tafelgeschirr. Ein amerikanischer Lederstuhl. Selbst eine Spieluhr für meinen kleinen Fedka. In Öl gemalte Bilder. Hübsche Hörnerchen von Waldziegen. Ein Photographie-Album... Ich nahm nur die Bilder dieser deutschen Windhunde heraus. Nichts ist vergessen.“