„Und das nehmt Ihr Alles mit?“ frug Schjelting.
„Wie denn? Es ist doch Krieg!“
Naive Genugtuung lag in seinen Worten. Da waren tausend Dinge. Die hatte man bisher nicht. Nun durfte man sie nehmen. Sie gehörten ja den Deutschen. Endlich erlaubte es der Zar. Schjelting dachte sich: Für Euch da ist das Alles nur ein Europäischer Pogrom. Mehr begreift Ihr nicht. Jeder sackt ein, was ihm Gott beschert! Und der Offizier auf dem Bahnsteig bestätigte das auch, nicht ohne Neid, indem er sich zu dem Hauptmann wandte.
„Prjanikoff... Du weißt: Der Lange ... der mit dem Ziegenbart ... der kann lachen! Er kommt in ein verlassenes Adelshaus... Man zündet es an... Was findet er, schon im Weggehen?... Ein ganzes silbernes Tafelgeschirr, der Glückspilz...“
„...Und das Alles stopft Ihr in die Wagen mit dem roten Kreuz?“ forschte Schjelting finster.
„... auf sie allein schießen die Deutschen nicht. Sie sind ja so dumm!... Bald fahren wir ab!...“
„Warum denn? Kommt denn der Feind...?“
„Man weiß es nicht...“
Sie sausten weiter. Umgestürzte Flüchtlingswagen lagen am Weg. Zerwühlter, ärmlicher Hausrat. Große Blutlachen. Schjelting dachte sich: Kaum eine Stunde Fahrt liegt zwischen Insterburg und Asien — da, wo Ihr nicht seid, Nicolai und Rennenkampf ... liegt zwischen Euren Garden und der breiten russischen Seele hier. Von ihr und ihrer Art des Kampfs seht Ihr nur, was Ihr wollt...
Immer wieder rauchende Scheunen, die Brandmauern von Domänen, eine in die Luft gesprengte Kirche... Ein betäubender Gestank von faulenden Karpfenmassen im Schlamm des nutzlos abgelassenen Teichs. In einem leergeplünderten Entenweiher schwimmend ein halbaufgelöstes Ding wie eine Mumie, das die Kosacken aus der Ahnengruft gerissen und hineingeworfen hatten. Schjelting schlug sich zornig auf das Knie: