„Was soll das Alles?“
Der Hauptmann lächelte ein Lächeln, nun schon mehr vom Amur als von der Wolga.
„Krieg heißt nicht, daß wir uns wie die Schweine benehmen!“... sagte Nicolai von Schjelting. Der Andere warf ihm einen tückischen Blick zu. Darin hob sich Etwas empor, von Asien, aus Tatarensteppen — gegen diese feinen Petrograder Herrchen — — gegen diese Westlichen ... oh — wartet nur! Auch Eure Zeit wird kommen! Auch Euch wird man verjagen ... später... Alles, was nicht Rothemd und Bastschuhe trägt...
Die Straße entlang galoppierten Dragoner, krumm wie die Fiedelbogen, mit hohen Knieen, die struppigen Klepper ihre Sternguckerköpfe steil in der Luft. Die Kerle sahen aufgeregt und unruhig aus. Man konnte nichts Rechtes von ihnen erfahren. Auf der Bahn da vorne, die von Gerdauen gegen Allenstein hinführte, rollte langsam, dichthintereinander, Zug auf Zug, gegen Norden, rückwärts. Es lag Etwas in der Luft, eine Unbestimmtheit ... eine Ungewißheit ... ferner Donner durch die Schwüle... Schjelting sagte sich wieder: Kaum eine Stunde zwischen Insterburg und hier... Wißt Ihr denn wirklich, Ihr dort hinten, Nicolai und Rennenkampf, was hier vorne vorgeht...? Und nicht nur in der russischen Seele?
Seltsam, daß die Tauben sich nicht von ihren Schlägen in den brennenden Giebeln trennen konnten. Da kreiste wieder eine über dem flackernden Gelb und Purpur, stürzte flügellahm hinein. Das rief eine Gedankenverbindung in Schjelting wach.
„Ja — wo ist der Heilige Geist?“
„An der Front!“ sagte der Staatsrat mit seiner starken, russischen Stimme. „Bald sind wir dort!“
Der General Schiraj lag noch vorwärts von Barten in einem Gutshof im Quartier. Er war nicht da. Er war mit seinem ganzen Stab nach vorn gefahren. Ostrussische Infanterie und Kosacken, die nicht zu seinen Truppen gehörten, waren nachgerückt und richteten sich eben ein. Ein riesengroßer, weißblonder Major stand mit offener Hemdbrust auf der Schwelle. Sein Gesicht war fröhlich und gerötet. Er war stark angetrunken. Er streckte stürmisch den beiden Ankömmlingen, obwohl er sie gar nicht kannte, die Arme entgegen.
„Gott brachte Euch, Brüderchen! Beliebt einzutreten!... Was ist das für ein Land! Warum nehmen wir es erst jetzt?... Alles in Fülle! Was das Herz begehrt... Traubenwein!... Man trinkt Sekt, Bordeaux, Kognak... Unten ist der ganze Keller voll...“