„Man merkt es...“
„Man raucht Zigarren! Schläft unter Seidendecken!... Schweine, Hühner, Gänse ... man ißt, soviel man kann... Man bekreuzigt sich und ißt wieder... Ihr bleibt zum Nachtessen da, Brüder! Meine Kosacken sind eben Hühner kaufen gegangen! Sie sind darin gewandter als unsere Burschen...“
Draußen sah man die roten Hosenstreifen der Kosacken. Sie umstellten die flatternden Hennen wie der Jäger das Wild, klatschten in die Hände, fingen die Tiere aus der Luft. Der Major schluckte ein paarmal und zeigte selig auf die Kiesfläche der Auffahrt vor dem Herrenhaus. Da war aus Hühnerköpfen im Sand riesengroß ein Schnörkel gebildet, der wie der Buchstabe H aussah. In Wirklichkeit war es ein russisches ‚N‘, der Namenszug des Zaren Nikolaus.
„Die Kaiserkrone kommt aus Gänseköpfen darüber! Es sind Spaßvögel!... Schleppt es dort hinüber, Kinder! Setzt es vorsichtig auf freiem Felde nieder, damit kein Unglück geschieht...“
„Was tragen die vier Leute? Einen Sarg?“ frug der kurzsichtige Staatsrat.
„Nein. Ein deutsches Ding. Ich kenne es nicht. Besser fort damit, ehe es explodiert!“
„Es ist der Schokoladen-Automat aus der Ausspannung gegenüber!“ sagte Schjelting zu Morskoi, während sie eintraten. „Welch ein Gestank!... Sind denn die Schweineställe hier im Hause?“
Die altpreußischen Ahnenbilder der Halle schauten durchstochen und durchlöchert auf eine halbmannshoch das Parkett bedeckende Schicht von Stroh, Roßdünger, Bettfedern aus aufgeschnittenen Matratzen, zerfetzten Kleidungsstücken, Kohlstrunken, Knochen, Suppenresten, Stuhlbeinen, Hirschgeweihen, zerrissenen Briefen und Aktenbündeln, zertretenen Damenfederhüten, Sofakissen, Lappen, Straßenschmutz. Zersäbelte Sofas und Plüschsessel ragten nur noch mit den Lehnen aus der weichen, wie ein Misthaufen dünstenden Masse, durch die der mächtige und feierliche Saal des alten Grafenhauses weit niedriger als sonst erschien. Viele Soldaten hatten sich in das warme Nest eingewühlt und schnarchten. Man unterschied sie kaum von dem Schmutze selber. Dazwischen standen die Pferde. Die Luftmischung schwankte zwischen dem scharfen, säuerlichen Brodem des Schweinekobens und dem Aasgestank vor einem Fuchsbau. In der Ecke lehnte schief, mit aufgeklapptem Deckel und zerschmetterten Beinen, das Klavier. Der Bechsteinflügel diente als Abort wie auch sonst jeder Perserteppich, jede Bronzevase, jeder Zylinderhut, jeder Winkel im Haus. Der Major musterte, mühsam in dem federnden Trümmerhaufen sich auf den Beinen haltend, befriedigt die eine leere Wand.
„Seit vielen Stunden bestreichen sie sie mit Honig!“ sagte er. „Von oben bis unten!... Seht die hundert leeren Gläser!... Gut!... Munter sind sie, die Seelchen!“