„Ich war die ganze Zeit in Einzelhaft!“ sagte er. „Ich erfuhr von nichts. Ich kann es kaum glauben!“

„Na — dann belernen Sie sich ’mal da — nich?“ Der junge Seemann gab ihm ein paar illustrierte Zeitungen. „Die hab’ ich noch von Buenos Aires her bei mir. — So sieht es in ganz Südamerika aus!“

Hugo Martius sah die Bilder: die deutschen Fürsten, einander aus Totenschädeln Blut zutrinkend, Reihen gespießter belgischer Kinder auf Ulanenlanzen, preußische Generale in Photographenpose auf Leichenhaufen von Frauen, nackte Wilde mit Pfeil und Bogen und der portugiesischen Unterschrift: Verhungernde Bayern auf der Eidechsenjagd!

„Auf der ganzen Erde holen sie die Deutschen von den Schiffen herunter und lassen dafür solche Ansichtspostkarten da!“ sagte der von der Wasserkante, während er sich fortwährend dabei an dem einen Zellengitter zu schaffen machte. „Wie? Ob man das glaubt?... Na — wenn es die Engländer sagen!... Und so, wie man uns in ganz Süd-Amerika haßt...“

„Ja, ist denn die ganze Erde wahnsinnig geworden?“

„Aber nich zu knapp! Bis New-York hinauf, da kam ich ja nun noch als Mexikaner durch...“ Er sah, mit seinem braungebrannten, verwegenen Gesicht in der Tat einem Gaucho ähnlich. „Aber nu? Jeden Tag marschierten die französischen Reservisten hinunter auf ihre Schiffe und sangen die Marseillaise?... Und die Engländer zogen Arm in Arm an und gröhlten den Tipperary. Aber, wenn die Deutschen kamen, da hieß es: Zurück! Erst versucht’ ich es bei einer dänischen Linie. Ja woll! German? Back!... nich?“

„Warum denn?“

„Die Dänen dürfen doch nicht anders — nich? Da schmuggelte ich mich als Trimmer bei ’nem Griechen ein. Aber da haben sie mich an der Tätowierung auf dem Arm erkannt und gesagt: ‚Anker und Schlüssel — das ist doch der Bremer Lloyd‘... nich?... und mich den Engländern ausgeliefert!“

„Die Griechen auch...?“

„Na — die Engländer wollen es doch so — nich?...“