„...Was denn?...“
„... wie es oben aussieht ... ganz oben...“
„Unbesorgt!“
„Vielleicht ist er klüger als wir! Vielleicht weiß er besser, was man neuerdings hoch da oben beliebt!“
„Ich werde Ihnen zeigen, was man oben will!“
Morskoi zog ein Blatt Papier hervor und hielt es dem General im Halbdunkel vor die Augen. Der las die Unterschrift. Diesen Namen kannte er. Den kannte Jeder im Heere des Zaren. Unwillkürlich wurde seine Haltung straff und dienstlich, und er sagte dumpf, als wäre Jener selber anwesend:
„Ich höre...“
Es war schon gegen Mitternacht, als der Staatsrat Morskoi weit hinter der Front auf dem verschneiten Marktplatz des ostpreußischen Städtchens stand, in dem die hohen Stäbe der vorne kämpfenden russischen Armee lagen. Im Schein der elektrischen Straßenlaternen ragten rechts und links die Giebel und Brandmauern rauchgeschwärzter Ruinen. Das eingeäscherte Landratsgebäude. Das zerstörte Postamt. Ein zuckerhutartiger Kirchturmstumpf in dunkler Nacht. Granatenlöcher in den oberen Stockwerken von Häusern, in deren Erdgeschoß noch Menschen wohnten und Kaufmannswaren hinter den Schaufenstern feilhielten. Dazwischen unversehrte Straßenzeilen mit lichthellen Scheiben. Geschrei und Gelächter, Klaviergeklimper und Geigenspiel. Gesang von russischen Zigeunerinnen aus einem Hinterzimmer des Gasthauses.
An den Fenstern daneben waren die Läden geschlossen. Aber man sah durch die Spalten russische Offiziere um einen Tisch. Alte und junge. Alle ernst und gespannt. Auf dem Tisch die Spielkarten. Der Hofmeister runzelte die Stirne. Er stieg die Treppe hinauf und dachte sich: ‚Nun — man hat den Schnaps verboten! Man kann nicht alle Laster unterdrücken‘. Oben öffnete er die Türe zu einem Vorraum und schlug dem Soldaten, der ihn im Halbdunkel daran hindern wollte, mit der Faust ins Gesicht.
„Pascholl, Du Hundesohn!... Siehst Du versoffenes Viehstück nicht, daß Du einen vornehmen Herrn vor Dir hast?“