„Exzellenz...“
Der Generalstabs-Major Isebrink trat, die Rechte an dem Helm, an den Kommandierenden heran.
„Haben Sie die Tagebücher bei sich, die man da oben in dem Mörsertrichter bei dem russischen General ohne Kopf gefunden hat?“
„Jawohl, Exzellenz!“
„Das Zeug scheint mir doch sehr wichtig. Namentlich auch in politischer Hinsicht. Am besten ist es, Sie fahren ’mal selbst rasch zurück und bringen es dem A. O. K. In ein paar Stunden sind Sie ja wieder da!“
„Zu Befehl, Exzellenz!“
Der Major Isebrink jagte in offenem, feldgrauen Rennwagen gegen Westen. Leichtverwundete Offiziere fuhren, soviel Platz war, dichtgedrängt mit verbundenen Köpfen und Armen mit. Der Chauffeur vorn in seinem langen Mantel von chinesischem Ziegenhaar blies auf dem Horn unaufhörlich das Oberkommando-Signal: Straße frei. Nur so kam man, rechts den nicht endenden Kolonnen entgegen, links an dem ebenso endlosen Strom der Gefangenen vorbei. Stund’ um Stunde, über Hügel und Täler floß die fahlbraune, pelzmützige Flut. Sie wanderte auf allen Wegen, soweit nur rechts und links das Auge reichte. Fern am Horizont noch spann sich, in unwahrscheinlicher Länge, der entwaffnete, russische Heerwurm. Die Wälder lebten und entsandten aus ihrem Dickicht tausendköpfige, hohläugige, von fern schon die Hände hochhaltende Herden brauner Hungerleider. Armeestäbe stiegen unvermutet aus den Sümpfen und kamen, die Säbel in der Hand, heran, die Einen düster den Blick am Boden, die Andern froh lachend und schwatzend. Batterienweise standen mit zerschmetterten Schutzschilden und verbeulten Lafetten die genommenen Geschütze am Weg. Nahe der Stadt wurde das Gewimmel der Gefangenen zu einem braunen Meer. Die Offiziere fuhren fast als die einzigen Deutschen durch diese Tausende von struppigen Köpfen und Kerlen, von denen Keiner an Widerstand dachte. Nur ein stilles Gewinsel:
„Bissele Brot ... bissele Brot...“
„Maul halten! Pratzen weg...“
Am Weg stand eine von den Russen in die Luft gesprengte Kirche. Aufgebrochene Särge davor, deren sterblichen Inhalt sie in den Teich des sinnlos eingeäscherten Dorfs geworfen hatten. Ostpreußischer Landsturm zog vorbei, sah die Greuel der Kosacken. Frisch und grimmig klang sein Gesang: