„Ich versuchte es als junger Mann bei den Chevalier-Garden in Petersburg! Aber leider ließ es meine Gesundheit nicht zu!“
„Nun — dafür ist er stark hinter der Stirne!“ sagte der alte gallische Haudegen gutmütig. Über das, was er keinem Franzosen verziehen hätte, sah er bei dem russischen Großschwiegersohn mit Stolz hinweg. „Du willst schon fort? Ah — man läßt Dich nicht!... Wie? Du mußt zu Iswolsky!... Das ist freilich etwas Anderes...“
Weit draußen im Westen, noch hinter dem Invalidendom, lag wie eine glimmende Kohle auf einem Pulverfaß die russische Botschaft. Schjelting betrat den Palast des Mannes, der hier seit Jahren mit beiden Händen Sturm säte und dabei den Sommer inmitten des Volkes, das er zu verderben trachtete, friedlich auf seiner Besitzung am Tegernsee in Oberbayern genoß. Er hatte eine längere Audienz bei dem gestürzten Petersburger Minister des Äußeren. Dann rauchte er im Weggehen eine Zigarette bei seinem Jugendfreund Wolkoff, der den langen, schmächtigen, eleganten Großfürstentyp zur Schau trug, und hörte lächelnd auf den Neid des Diplomaten.
„Mon cher Nicolai! Du hast es besser als freier Mann! Es ist nicht mehr das alte Metier! Sieh Dir doch diese Tiere an, mit denen man hier umgehen muß! Hier auf unserem Seineufer sind ja noch einige Häuser, wo man verkehren kann. Etwas Welt! Aber drüben... Wasche Dich, so oft Du willst — Du mußt doch gleich wieder einem Deputierten die Hand geben! Diese Minister sind unmöglich! Ihre Frauen... Ah — passons là-dessus!“
„Sascha! Liebe diese Leute! Wir brauchen sie!“
„Mais c’est dégoûtant! Im Sommer reist der Präsident der Republik wieder nach Petersburg. Seine Majestät, der Zar, wird diesen Advokaten auf die Wangen küssen...“
„Der Kaiser von Indien tut es heute auch!“
„Die Musik wird die Marseillaise spielen, die einen sonst bei uns an den Galgen bringt. C’est une farce! Lüge — gut! Dazu ist man da. Aber dabei schlechte Manieren... Sie sind hier wie das Vieh am Trog, wenn sie sich bereichern! Jeder nimmt! Alles stiehlt! Wir kämpfen mit Scheckbuch und Kurszettel! Übrigens: Higgins ist in Paris!... Aber Du hörst ja gar nicht zu!“
„Es ist merkwürdig, Sascha: kannst Du Dir vorstellen, daß man sich den Kopf darüber zerbricht, was für eine Augenfarbe Jemand hat?“