„Ah — willkommen, mein Freund!“

Er küßte ihr höflich die Hand, flüchtig und kühl die Lippen. Musterte unwillkürlich ihre Erscheinung. Das war seine Bedingung und Forderung: keine Frau in dem luxustollen Brüssel durfte besser angezogen gehen als die schöne Madame de Schjelting. Sie war schön. Bereits für den Abend gekleidet. Perlenglanz auf der mattweißen Haut des Robenausschnittes. Feiner weißer Puderhauch auf den regelmäßigen, ovalen Zügen unter dem kunstvoll erzeugten venetianischen Rotblond ihres Haars. Es war ihr Ehrgeiz, einer Vollblut-Pariserin zu gleichen, die sie nur zur Hälfte war. Sie hatte die feine Nase, die großen, dunklen, noch leicht untermalten Augen, diesen amüsierten, unerlernbaren Ausdruck auf den leichtbeweglichen Zügen.

„Was machen Allard und René?“

„Es geht ihnen gut! Sie schlafen schon!“

„Wolltest Du ausgehen?“

„Nur hinunter! Es ist Empfang bei den Eltern.“

„Hat sich etwas Neues ereignet?“

„Nichts, was Dich interessieren könnte, mein Freund!“

Er schritt unruhig durch die Zimmer und blieb vor der Alabasterschale im Vorraum stehen und musterte die Visitenkarten. Er war eifersüchtig wie ein Tiger und ließ dabei, in der Geschäftigkeit seines Ehrgeizes, seine Frau oft viele Wochen allein. Er wußte, daß sie sich dann rächte. Sie schaute ihm über die Schulter.

„Was suchst Du denn, Nicolai?“