„Ein fast uneinnehmbarer Punkt: das Fort Malonne!“
„So?“
„Nichts Geringeres als das Fort Malonne! Hut ab! Du bist vor einer der wichtigsten Stellen dieses bewunderungswürdigen kleinen Belgiens! Wir Franzosen haben unsere Maaslinie bis an die Zähne verschanzt. Aber nach unten, jenseits der französischen Grenze, war sie offen. Da sprangen unsere heroischen Nachbarn für uns in die Lücke. Sie bauten ihren Maasgürtel gegen die Teutonen! Das englische Heer kann unbehindert dahinter aufmarschieren!“
Beide blickten befriedigt und wohlwollend lächelnd auf Monsieur Lambert, in dem sich ihnen für diesen Augenblick Belgien verkörperte. Der fuhr aus einem kleinen Schläfchen auf. Er war etwas verwirrt. Er hatte sich nie viel um diese Dinge gekümmert. Festungsbau war nicht sein Geschäft. Man zerbrach sich hier zu Lande nicht gern unnötig den Kopf. Das war Sache der Regierung. Er saß zufrieden lächelnd da, selbst in seinem rosigen und etwas feisten Blond ein Abbild der Blüte des Landes, durch das sie dahinjagten. Sie umkreisten Namur, durchmaßen die prachtvollen Buchenwälder von Ottigny, näherten sich Brüssel. Aus fieberndem Menschen- und Autogewühl, dem Geschrei der Verkäufer, dem Lichtglanz der Läden schlug ihnen der heiße Hauch von Klein-Paris entgegen. Sie hielten vor dem Palasthotel am Bahnhof, um dort den General abzusetzen. Dabei zuckte Nicolai von Schjelting nervös zusammen.
„Da ist er wieder!“ sagte er zwischen den Zähnen.
Ein Herr in den Dreißigern, in grauem Sommeranzug, den Strohhut auf dem gebräunten Kopf, den leichten Sommermantel über dem Arm, ging rasch und straff aufgerichtet über den Platz nach dem Bahnhof. Ein Hausdiener trug ihm seinen Reisekoffer hinterher. Beim Anblick Schjeltings flog ein Lächeln über sein schnurrbärtiges Gesicht. Die Andern schauten ihm nach.
„Da geht er nun heim in das Land Wilhelms!“
„Je nun: Hier in Brüssel ist neutraler Boden! Hier trifft sich Freund und Feind!“