Sie kamen in dem Gedränge an der Ecke der Museumsstraße kaum vorwärts. Rings um sie wurde Französisch, Englisch, Russisch gesprochen.

„Ich weiß nicht: Soviel Ausländer waren doch noch nie da!“

„Seit gestern ist doch hier der große Internationale Kongreß!“ sagte General Isebrink. „Ich glaube, die Mediziner. Oder die Physiologen. Bei meinem Nachbar, dem Geheimrat Tillesen, ist jedenfalls ein Riesenbetrieb!“

„Ja, an die Feste hier muß man sich gewöhnen!“

Die Sonne schien hell vom blauen Frühlingshimmel. Bunt bauschten sich die Banner. Farbig leuchteten drüben durch das lichte Grün der Parkanlagen die Damenkleider, die Sonnenschirme, die Blumenhüte und die Blumenbeete. Die Kurkapelle schmetterte. Deutschland lud die Welt zu sich zu Gast, wie ein fröhlicher, kraftstrotzender, arbeitsstarker Mann am Feierabend die Nachbarn um sich versammelt und sich von ihnen keines Bösen versieht, weil er selbst dem Nächsten ja nur Gutes wünscht, Gutes erweist, Gutes aufdrängt.

Das war dies warmherzige, weichmütige Deutschland, das seine Sparbüchsen für die Buren leerte und den hungernden Indern das Scherflein der Witwe sandte, das liebevoll den Verschütteten von Messina Asbesthäuser baute und die abgebrannten Russen mollig und warm kleidete, das mit ganzen Schiffsladungen die notleidenden Norweger nährte und bettete und dabei schon nachdachte, wie es Yankees und Japanern eine Freude bereiten könne, dies Deutschland, dessen Herz so groß war wie sein Geist, und das aus dieser Unendlichkeit heraus Alles umfaßte, viel verstand und viel zu viel verzieh.

Ausländer überall. Sieche, durch Salvarsan genesende Russen in Rollstühlen, durch Röntgenstrahlen geheilte Angelsachsen am Stock, Italiener, in der Sonne sitzend, denen das Messer deutscher Chirurgen das Leben gerettet. Sie Alle fühlten sich hier zu Hause, schwatzten und lachten. Erst gegen die Bahnhofstraße hin wurde es allmählich um die drei alten Herren mit dem Eisernen Kreuz leerer.

„Na ... Paul ... zum Donnerwetter ... Paul! Erkennste denn Deinen ollen Vater nicht mehr?“

Der Generalstabshauptmann mit dem dunkelroten Kragen und dem breiten dunkelroten Streifen an den Beinkleidern kam aus seinen Gedanken zu sich und blieb stehen. Das grauköpfige Kleeblatt begrüßte ihn mit Wohlwollen als eine kommende Leuchte der Armee.

„Was Neues aus Berlin, Herr Hauptmann?“