„Und jetzt heimwärts!“ gebot Holm, der sich von dem richtigen Gang seiner Taschenuhr diesmal vorher überzeugt hatte. „Wir dürfen uns hier durch die Flut nicht überrumpeln lassen.“

Das Boot wurde zunächst zur Fouqué-Insel zurückgelenkt, dort noch der Leuchtturm besichtigt und dann der Dampfer wieder aufgesucht. Die Ausbeute an Schätzen für das Museum war eine ungewöhnlich reiche, die große Muschel allein ein unbezahlbarer Fund; aber als das Schiff an der Korallenbank vorüberfuhr, da sagten sich doch die drei jungen Leute, daß sie auf der Höhe derselben eine Nacht verlebt, deren Schauer ihnen ewig im Gedächtnis bleiben werde. Franz drückte lebhaft die Hand des Malagaschen. „Du bist doch ein guter Kerl, Rua-Roa,“ sagte er, „ohne die Erfrischungen, welche du uns brachtest, hätten wir die Anstrengung kaum überstehen können.“

Die Augen des Halbwilden leuchteten. „Ich habe dich lieb, Herr,“ antwortete er, „darum kam ich. Wollen wir beide den Blutschwur tauschen, du und ich?“

Franz wurde aufmerksam. „Das sagtest du schon früher einmal, Freund,“ versetzte er lebhaft. „Was ist damit?“

„Das sollst du erfahren, Herr!“

Und am Abend desselben Tages, als das Schiff im Hafen von Port St. Louis vor Anker lag, winkte er im Dunkel des Vorderraumes dem jungen Weißen. Seine Hand hielt zwei kleine Stücke Ingwerwurzel und ein scharfes Messer, mit dem er zunächst die Haut über dem eigenen Herzen ein wenig ritzte und dann in das hervorquellende Blut das eine Stückchen tauchte. „Iß!“ sagte er leise, „und thue das Gleiche. Laß mich dein Blut kosten!“

Franz erschrak heimlich. Das war doch eine ganz heidnische Zeremonie.

Aber Rua-Roas Augen baten so beredt, der junge Mensch schien von der Heiligkeit dieses Bündnisses so durchdrungen, daß es grausam gewesen wäre, ihm da, wo er gläubig das Rechte, Gute vermeinte, ein halb komisches, halb sträfliches Heidentum vorzuwerfen. Zudem erinnerte sich jetzt Franz, daß die eingebornen Hovas von Madagaskar den Blutschwur ausschließlich mit ihren vertrautesten Freunden tauschen, und daß der, welcher ihn etwa bräche, als ehrlos gelten würde; er verschluckte daher ohne Widerrede die duftende, mit dem Blute seines neuen Bruders getränkte Wurzel und ließ aus der Haut über seinem Herzen die roten Tropfen hervorquellen, um damit das andere Stück zu befeuchten. Rua-Roa streckte, als er es gegessen, beide Hände aus. „Dein Wille gehört seit dieser Stunde mir, Herr,“ sagte er halblaut in beschwörendem, feierlichem Tone, „und der meinige dir. Wir können nichts thun, einer ohne den anderen, kein dritter kann zwischen uns treten, keine Macht kann das Blutband lösen. Schwöre, daß du niemand verraten willst, was in dieser Stunde geschehen.“

Franz hob die Hand zum nächtlichen Himmel empor. „Bei Gott!“ sagte er leise, selbst wider seinen Willen erfaßt von der geheimnisvollen Feierlichkeit in dem Wesen des Malagaschen. „Bei Gott, Rua-Roa, ich schwöre es dir!“

Der Halbwilde nahm die Hand seines Freundes und legte sie sich auf den Kopf, während umgekehrt seine Rechte Franzens Scheitel berührte. „Ich danke dir,“ sagte er innig, „du hast deinem Sklaven viel geschenkt, aber er wird sich dessen würdig zeigen.“