Tippoo pfiff seinen Sklaven. „Schakale“ sagte er. „Sucht die Ausgänge.“
Und während sich die Singhalesen gehorsam entfernten, um von allen Seiten den Gebirgspaß zu umschleichen, berichtete er den Weißen, daß sich höchstwahrscheinlich ein Rudel von vielleicht ein- bis zweihundert Schakalen hier im Berge zusammengefunden habe, um den Enten und Gänsen der Veddas einen Besuch abzustatten, und daß diese hungrige Meute nun von den plötzlich eindringenden Kugeln erschreckt worden sei. „Wenn meine Leute den Zugang gefunden haben,“ schloß er, „dann schießt ihr aus nächster Nähe in die offene Spalte hinein, während wir die roten Gesellen in Empfang nehmen, sobald sie erscheinen.“
„Ganz gut, Freund Häuptling, aber was wollt ihr mit einem Tier, dessen Fleisch ungenießbar, und dessen Fell unverwendbar ist?“
„Wir verkaufen die Jungen nach Galle oder Kolombo, Herr. Wozu hätte ich Sklaven, wenn sie mir nichts verdienen müßten? Der die beiden jungen Tiger hinbringt, kann auch Schakale mitnehmen.“
Tippoos Talent zum Finanzminister wurde allerseits anerkannt, und als die ausgeschickten Sklaven zurückkamen, war der Feldzugsplan genau entworfen. Rechts vom Dorfe war ein stark befahrener Schacht, an dessen äußerer, enger Mündung zahlreiche rote und graue Haare verrieten, daß sich alte, ausgewachsene Tiere in starker Anzahl hindurchgedrängt haben mußten; weitere Zugänge fanden sich nicht, und durch den vorderen Spalt konnte unmöglich auch selbst der magerste Schakal ins Freie gelangen; die Singhalesen nahmen also zu beiden Seiten des Schachtes Stellung hinter den Bäumen und in den unteren Zweigen derselben; Franz mit Rua-Roa hatten sich fast ganz an den Ausgang gedrängt, und Holm und die beiden anderen standen vor dem Spalt.
In aller Augen glühte die Jagdlust; die gefährliche Lage, in der man sich den raubsüchtigen Wilden gegenüber befand, war vergessen; man dachte jetzt nur noch an die räuberischen Tiere, welche diesen Bau bewohnten und an das Vergnügen, sie herauszutreiben.
„Feuer!“ kommandierte Tippoo.
Drei Kugeln flogen in den Berg hinein, drei weitere folgten, Pulverdampf und schauerliches Geheul drangen aus dem Spalt hervor; dann entstand ein Toben und Drängen, ein Scharren wie von vielen hundert Füßen, und endlich stürzte die rote Meute, einander überkollernd, schreiend in rasendem Lauf den harrenden Todfeinden entgegen. Es war offenbar für die nächtlichen Räuber ein letzter, von der Verzweiflung eingegebener Entschluß, sich am hellen Tage hinauszuwagen in das Dorf, aber die einschlagenden Kugeln da drinnen führten eine so beredte Sprache, daß jedes Schwanken im Keime erstickte; — brausend wie ein entfesselter Strom ergoß sich das rote Heer.
Bei dieser seltsamen Massenjagd war es für die Schützen nicht nötig, zu zielen. Wo aus einem engen Schacht in ihrer unmittelbaren Nähe das Wild herausquoll wie Wasser aus einem Brunnen, da hinein brauchten sie nur zu feuern oder ihre eisenbeschlagenen Wurfspieße zu schleudern, und Opfer nach Opfer war ihnen gewiß.