Die Schakalhöhle auf Ceylon.
„— brausend wie ein entfesselter Strom ergoß sich das rote Heer.“

Holm schoß immer noch in den Spalt, bis zuletzt auch die alten Weibchen der Schakale mit ihrer Nachkommenschaft sich zur Flucht entschlossen. Ganz junge Tierchen, kaum so groß wie ein neugeborener Pudel, noch unsicher gehend, aber doch mit Raubtierblicken um sich schauend, folgten den fliehenden Müttern, und eben darauf hatten die Singhalesen gewartet. Sie umringten zu vier oder sechs ein solches kleines Füchschen und ergriffen es trotz seines ängstlichen Sträubens, keineswegs aber ohne eigene Leibesgefahr. Die Weibchen gerieten in Wut, als sie die Not ihrer Kleinen sahen und wandten sich angreifend gegen die Singhalesen, welche indessen den Kampf mit diesen Tieren schon aus Erfahrung kannten und auf Gegenwehr von seiten der Mütter gefaßt waren.

Fünf oder sechs Spieße bohrten sich in den hundeähnlichen rot- und graubehaarten Körper des Schakals, sobald er zum Sprunge ansetzte, um den Räuber seines Kindes mit den Zähnen zu packen, zuweilen freilich nicht früh genug, nicht ehe das scharfe Gebiß die nackten Lenden der Männer erfaßt und furchtbar zerfleischt hatte, immer aber so rechtzeitig, daß das erbeutete Junge von anderen, die im Augenblick herzueilten, in Sicherheit gebracht werden konnte. Nachdem auf diese Weise sechs kleine Schakale gefangen waren, befahl Tippoo, die Jagd einzustellen, d. h. nur noch zu erlegen, was nahe genug kam, aber keine Jungen mehr zu ergreifen.

Franz und Rua-Roa schossen unaufhörlich den Fliehenden nach, wenigstens fünfzehn bis zwanzig tote Schakale lagen auf der Walstatt, ebenso viele und noch mehr schleppten sich mit Wunden bedeckt davon, um in den nächsten Gebüschen zu verenden, und wieder andere wanden sich im Todeskampfe zwischen den Dorfhütten. Negerinnen, Kinder und Geflügel waren, um die Wette schreiend und kreischend, entflohen, die Luft ringsumher von Pulverdampf erfüllt und der Boden schlüpfrig vom vergossenen Blut, unter den Bäumen verbanden die Singhalesen so gut sie konnten ihre zum Teil recht bedeutenden Wunden, und vom Spalt her näherten sich die drei, welche dort postiert gewesen, dem eigentlichen Kampfplatz.

Franz und der Malagasche hatten jeder mehrere von den großen Männchen erschossen; sie bedauerten lebhaft, daß es anstatt der wertlosen Schakale nicht lieber Leoparden gewesen; so hätten sie doch wenigstens die Felle als Siegeszeichen aufbewahren können; — mit den fuchsähnlichen, fahlgelben, rötlichen oder grauschwarzen groben Pelzen war eben gar nichts anzufangen, dennoch aber glühte die Jagdfreude in den beiden hübschen Gesichtern und einstimmig wurde beschlossen, ein Pärchen der jungen Tiere dem Singhalesen abzukaufen und nach Hamburg zu schicken.

Tippoo trieb zum Aufbruch. „Die schwarzen Hunde haben das alles mit angesehen,“ versicherte er, „sie wissen nun, was ihrer harrt.“

„Glaubst du denn ganz bestimmt, daß wir noch angegriffen werden, Häuptling?“

Der Singhalese nickte. „Warum wären sonst die Männer fortgegangen? — Überhaupt leben seit Jahr und Tag die Veddas mit meinem Volk im Krieg; wir erschlagen sie, wo wir ihnen begegnen.“

Holm unterdrückte einen Seufzer. Dieser Kampf mit vernunftlosen Wilden war ihm unerwünscht; er wollte weder die armen, vertierten Geschöpfe in ihrer Existenz bedrohen, noch sich und den Seinen von ihnen Schaden zufügen lassen; aber dergleichen Empfindungen hätte der braune Häuptling durchaus nicht verstanden, es war also besser, sie in sich zu verschließen und dem Unabwendbaren so gefaßt als möglich entgegen zu gehen.