„Weshalb glaubst du das, Junge?“ fragte voll Erstaunen der andere.

„Nun, die Lumpenkerle müssen doch mit ihrer Flucht irgend einen Plan verbinden! Sie haben gleich anfangs im Dorfe einigen anderen aufgegeben, ihnen zu folgen und die Stelle verabredet, wo sie uns mitten im Urwaldsgebirge verlassen wollen. Wenn die Lage bedenklich wird, erscheinen von ungefähr ein paar dieser gelben Schurken und erbieten sich, uns gegen doppelten Führerlohn nach Surabaja zurückzubringen, — das ist alles beschlossene Sache, und der Raub wird gütlich von den Spitzbuben geteilt.“

Holm lachte. „Wahrhaftig, du kannst recht haben,“ antwortete er. „Dann ist es ohne Zweifel das beste, hier zu bleiben und die Helfershelfer der gelben Betrüger zu erwarten. Einstweilen aber laß uns schlafen, — ich bin todmüde.“

Der Malagasche wurde geweckt und ihm, der nun schon einige Stunden geruht, die Wache übertragen, in welcher ihn gegen Morgen Hans als letzter in der Reihe ablöste. So verging die Nacht, und am folgenden Morgen saßen alle einander gegenüber, hungrig und ratlos, in schlimmster Laune. Hier zu bleiben war ganz notwendig; aber wovon leben? Wovon nach der Überschwemmung der letzten Nacht ein Feuer entzünden? Allerdings hatten die Gewehre im Trocknen gestanden, auch ließ sich leicht dieser oder jener Braten erlegen, aber er mußte roh gegessen werden, und das war äußerst unangenehm.

Der Doktor blieb als Hausherr und Platzkommandant allein in der Höhle zurück, wohlversehen mit Pulver und Blei, aber sonst auf die Sicherheit zwischen den Felswänden und seine eigene Vorsicht angewiesen, — die vier jungen Leute zogen aus, um Lebensmittel herbeizuschaffen. Wasser gab es da oben genug, man brauchte sich nur zu bücken, um es in köstlicher Klarheit zu erhalten, aber dafür stieg auch der Hunger von Stunde zu Stunde.

Das erste was heraufgeschafft wurde, waren Kokosnüsse; ihnen folgten die Eier verschiedener Vogelarten, Beerenfrüchte, eine kleine Schildkröte und endlich ein Hirsch, dessen Ziemer Franz im Schweiße seines Angesichtes keuchend nach Hause schleppte. Dann begann die Thätigkeit des Doktors. Er mußte mit dem Taschenmesser das Fleisch schaben; einige kleine Zwiebeln, die im Thale wuchsen, wurden dazu gehackt, das Ganze mit Salz und Pfeffer, welche jeder einzelne bei sich führte, reichlich vermengt und nun gegessen, dazu Nußkern und rohe Eier.

„Der Mückenkuchen auf Madagaskar schmeckte schlechter!“ meinte Holm.

„Der Flußpferdbraten in Dahomey war zäher!“

„Das Dürsten im Kaplande weit schrecklicher!“

„Ja, das ist wahr!“ sagten wie aus einem Munde alle Anwesende.