Auch dieser Handel kam zu stande, und bald prasselte unter dem schützenden Felldach, während ringsumher alles vom Regen troff, ein neues belebendes Feuer; Zwiebeln wurden ausgegraben, Wasser geschöpft, Speck zerschnitten und Kartoffeln aufgesetzt; die Knaben beobachteten jede Blase im Kessel, und als endlich die Probe mit dem Taschenmesser das Gericht als gar kennzeichnete, da war des Jubels kein Ende. Pellkartoffeln mit Zwiebeln! Deutsches Nationalgericht bescheidenster Ansprüche, wie kamst du zu nie geahnten Ehren im Urwalde von Java! — —

Es ist doch ein eigen rührender Klang, der aus ferner Heimat zu uns herüberdringt; es ist, als würden tausend liebe Bilder wach bei seinem leisen Grüßen! — Als der Duft der Kartoffeln emporwallte, als die beiden Knaben die erste Frucht trotz ihrer Glühhitze zwischen den Fingern aufbrachen, da schimmerte es seltsam glänzend in den hellen, frohblickenden Augen. Franz ließ sich keine Zeit, die Zwiebelsauce hinzuzuthun. „Hamburg,“ sagte er leise, mit dem Kopf nickend, während die Kartoffel zwischen seinen Zähnen verschwand, „auf dein Wohlergehn!“

Die übrigen stimmten in diesen Glückwunsch lebhaft ein. Es wurden bei der Mahlzeit erstaunliche Quantitäten bewältigt, auch das Fleisch schwand zusehends, und die Flaschen der Malaien mußten ihren schlechten Branntwein bis auf den letzten Tropfen hergeben. Einer der Männer unterzog den schwerverwundeten Stiefel mittels Bast und Schnüren seiner ärztlichen Behandlung. Dann wurden noch die Tiger oben am Gebirgsabhang ihrer Felle entkleidet und endlich auf Waldwegen, die weit besser zu passieren waren, das besprochene Dorf aufgesucht. Nachdem kurze Rast gehalten, ging es auf den kleinen, munteren Pferden, aller Sorgen und Befürchtungen ledig, wieder vorwärts; die Wunden hatten zweckmäßigen Verband bekommen; es waren Vorräte eingekauft und die nassen Kleider getrocknet; ja sogar verabredet worden, daß man erst bis an die jenseitige Grenze der Zivilisation vordringen wolle, ehe der Rückweg eingeschlagen ward; der grüne Wald umgab also wieder dicht und lauschig von allen Seiten die kleine Schar; man ritt einem Gebirgszuge entgegen, dessen höchste Spitze, ein noch thätiger Vulkan, wenigstens von fern in Augenschein genommen werden sollte.

Zwei Tage und Nächte verbrachten die Reisenden auf dieser angenehmen und vom schönsten Wetter begünstigten Tour, obwohl in jeder Nacht die Weißen abwechselnd mit geladenen Gewehren ihre Führer bewachten. Dann, am Mittag des dritten Tages, näherte sich der kleine Zug dem feuerspeienden Berge, dessen Gebiet weder Wald noch sonstigen Baumwuchs zeigte.

Als noch der eigentliche Berg in bläulichem Duft wie ein ferner Riese dalag, bestand schon auf eine halbe Meile im Umkreis der Boden aus Lava und Schlacken, Geröll und jenen großen, eckigen Steinblöcken, welche die thätigen Krater auf Java bei ihren bedeutenderen Ausbrüchen emporzuschleudern pflegen. Die Landschaft zeigte fahle, aschgraue und gelbliche Totenfarbe, kein Tier belebte den Weg, kein Vogel sang und kein Blatt sproßte hervor aus dem heißen verdorrten Boden. Jene berüchtigten Zacken und Rinnen, mit denen feuerspeiende Berge meistens umgeben sind, erschwerten das Klettern, tiefe Klüfte mußten von den Pferden übersprungen werden, leichter Schwefeldampf in der Luft beklemmte die Brust; zuweilen glitten die Tiere auf spiegelglatter Lava wie auf einer Eisfläche dahin, und dann wieder rollten sie mit bröckelndem Gestein plötzlich eine tüchtige Strecke rückwärts.

Die Führer ritten nicht; Ochsen und Karren hatten sie natürlich am Fuße des Berges zurückgelassen, ebenso ihre eigenen Tiere. Sie zogen die Pferde der Weißen unter steten Zurufen am Zügel nach sich und wählten sorgsam die wenigst gefährlichen Stellen; ebenso sammelten sie auch bereitwillig jeden Stein und jede Schlacke, die ihnen bezeichnet wurde.

Der Berg war, obgleich kein eigentlicher Ausbruch stattfand, doch sehr unruhig; unsere Freunde sollten das erwartete Schauspiel so schön als nur möglich genießen. Als zwischen Lavageschieben, Schlacken und Blöcken, zwischen zahllosen einzeln stehenden Kegeln und über weite, tote Aschenfelder der Krater bis auf vielleicht fünfhundert Schritt Entfernung erreicht war, machten die Führer Halt. Von diesem Punkt aus ließ sich das Ganze am besten überblicken; noch näher heranzukommen wäre gefährlich gewesen; denn zuweilen werden selbst an den ruhigsten Tagen größere Steine aus dem Innern hervorgeschleudert und zur Seite geworfen; ebenso nimmt auch der Schwefeldunst derartig zu, daß ihn die Atmungsorgane nicht mehr ertragen können.

Eine hohe Rauchsäule, im Purpurscheine glühend, stieg aus dem Krater auf, wallende, wirbelnde Massen vereinigten sich hoch in blauer Luft zu einer Wolke, aus deren mit Elektrizität angefülltem Schoße ohne Unterlaß nach allen Seiten zuckende Blitze niederfuhren. Steine von Faustgröße wurden ununterbrochen mit den Rauchmassen herausgeworfen und fielen dann polternd mit rollendem Getöse in die unheimliche Tiefe zurück. Den Höhepunkt seiner Schönheit erreichte aber das Naturschauspiel, als plötzlich eine hohe, mit rasender Schnelligkeit aufschießende Säule sprudelnden, kochenden Wassers in die Luft aufstieg. Wie ein glühender Regen verbreitete sich zischend und stäubend die Flut nach allen Seiten, Staubwolken aufwirbelnd, mit einem durchdringenden Geruch von schwefeliger Säure. Eine Wassersäule nach der anderen drang hervor, vermischt mit Rauch und Steinen, es rollte und donnerte im Inneren des Berges, die Luft wurde von Viertelstunde zu Viertelstunde unerträglicher.

„Jetzt wollen wir auch einen schlammspeienden Berg besehen,“ rieten die Führer. „Zwar ist derselbe nicht so schön und auch nur niedrig, aber doch ebenfalls eine Naturseltenheit. Sollen die Pferde umkehren?“

Nachdem das erhabene Schauspiel hinlänglich bewundert, wurde diesem Vorschlag Folge gegeben und der sonderbare, höchstens hundert Meter hohe Schlammkegel aufgesucht. „Diese Berge verschwinden während der Regenzeit gänzlich,“ erklärten die Führer, „sie werden dann zu Morästen, aus denen Gasblasen immerfort wirbelnd aufsteigen, die sich aber bei dem Eintreten der Hitze allmählich verdichten, austrocknen und nun so lange Thonklumpen aufwerfen, bis sich der Berg gebildet hat. Es ist ein solcher ganz in der Nähe.“