Das Netz wurde an dieser so sehr ergiebigen Stelle zum drittenmale herabgelassen, und wieder brachte es reiche Beute; außer verschiedenen Fischen noch mehrere Cephalopoden, die sogleich in Behälter mit Wasser gesetzt und so aus bequemster Nähe beobachtet wurden. Eins besonders, das Perlboot, war von überraschender Schönheit. Etwa acht Zoll im Durchmesser haltend, hatte es ein milchweißes, an einigen Stellen hellbraun gestreiftes, perlmutterartig schillerndes Gehäuse von beinahe halbrunder, gezackter und inwendig eine Schale bildender Form. Das ganze Tier, wie eine Auster inmitten des Gehäuses festgewachsen, bot ein Farbenspiel, welches lebhaft an das des wechselnden Regenbogens erinnerte. Bald erglänzten die dehnbaren Zellen des kleinen, beweglichen Körpers im schönsten Blau, bald violett, purpurn und hochgelb; so oft die Knaben vorsichtig das Tier berührten und dadurch die Nerven desselben reizten, verdoppelte sich die Stärke dieses sonderbaren Spieles; sie konnten jedoch nicht nur ausschließlich das Perlboot bewundern, auch noch andere und nicht weniger interessante Geschöpfe hatte ja das Netz zu Tage gefördert. Da war das Nabelboot und das Papierboot, die schöne Seeglocke mit becherartiger, drei Zoll im Durchmesser haltender, rötlich gestreifter Schale, da waren kugelige Seeigel und sogar auch als seltener Fang eine große Feuerscheide, das sonderbare mit den Quallen verwandte Geschöpf, welches, aus einer ganzen, zahlreichen Familie kleiner Einzelwesen bestehend, doch zusammen nur ein Leben besitzt. Die wenige Linien großen, form- und farblosen Tierchen bilden um einen gestielten Mittelpunkt eine Art von Kreuz, wobei alle Mundöffnungen nach außen gekehrt sind. Der walzenförmige Stiel ist vom schönsten Hellgelb und bis zu vierzehn Zoll lang bei drei Zoll Durchmesser.

Das Papierboot verdiente seinen Namen mit Recht, denn seine Schale war in der That nicht dicker als Schreibpapier.

„Wir werden zwei dieser zerbrechlichen Geschöpfe, wohl in Watte eingehüllt, in Spiritus setzen,“ sagte Holm, „damit an dem weichen Körper zoologisch-anatomische Studien gemacht werden können, aus den übrigen eingefangenen Exemplaren wollen wir versuchen, den leicht in Fäulnis übergehenden Inhalt zu entfernen.“

„Wenn wir den eisernen Haken anwenden, dessen wir uns bei den hartschaligen Schnecken bedienten,“ warf Franz ein, „so dürfte es schwer fallen, die papierdünne Schale unverletzt zu lassen.“

„Gewalt wäre in diesem Falle übel angebracht,“ bestätigte Holm, „aber ihr wißt ja — wo Gewalt nichts vermag, muß die List aushelfen.“

„List?“ fragte Hans. „Sollte es möglich sein, den Bewohner aus seiner Schale herauszulocken, wie einen Hund mit einem Knochen aus der Hundehütte?“

„Nein,“ entgegnete Holm lächelnd, „hier würde kein Zureden nützen. Was meinst du aber, wenn wir ein Mittel besäßen, den weichen Körper durch eine Substanz ganz und gar zu zerstören, so daß er sich in Wasser auflöst?“

„Dann wäre uns geholfen,“ antwortete Franz.

„Nun gut,“ sagte Holm. „Unter unseren Vorräten befindet sich ein chemisches Präparat, das ich zu dem vorliegenden Zwecke mitgenommen habe, und das sich auch in anderen Fällen nützlich erweisen wird. Es ist dies das sogenannte Ätzkali, eine salzartige, leicht in Wasser lösliche Substanz, welche die Haut, Weichteile und Fette zersetzt. Mit dem Fett geht es eine Verbindung ein, deren wir uns sogar täglich bedienen, es ist die Seife. Wir wollen jetzt in einem eisernen Gefäß ein apfelgroßes Stück des geschmolzenen Ätzkali in Wasser auflösen und in der so erhaltenen „Lauge“ die gefangenen Exemplare des Papiernautilus so lange über gelindem Feuer langsam kochen, bis das weiche Tier zersetzt und in lösliche Seife verwandelt worden ist.“

Gesagt, gethan. In kurzer Zeit waren die Schaltiere auf dem Feuer zum Erstaunen des Koches, der sich außerdem über den unangenehmen Geruch beklagte, der sich aus dem eisernen Topfe während des Kochens entwickelte.