Achilles schlich an den Doktor heran, zwei Finger auf die Lippen gelegt und so leise, als sei er selbst ein Kater, der das Wild überrumpeln wolle. Die anderen Neger folgten ihm. „Pythonschlange!“ hauchte er. „Dort!“
Aller Blicke folgten dem ausgestreckten Finger. Durch das meterhohe, üppig wachsende Gras der Lichtung wand sich’s braunschillernd, gelbgefleckt mit schuppigen Ringeln dahin, wenigstens zehn Meter lang und vom Durchmesser eines tüchtigen Baumstammes. Lautlos glitt die Schlange bis an den Stamm, darauf die Zibetkatze saß, und begann denselben zu umschlingen, indem sie sich dabei auf die Stummelfüße des Schwanzes stützte. Ein Schnaufen und Prusten der überlisteten Katze bewies, wie sehr sich das Tier fürchtete. — Die nächsten, stärkeren Zweige konnte es springend nicht erreichen, an den Erdboden gelangen auch nicht; was blieb ihm also übrig, als widerstandslos auszuharren, bis sein Körper durch die kalten, glatten Schlangenglieder umstrickt und ihm alle Knochen im Leibe zerbrochen sein würden?
„Wollen wir die Schlange erobern oder die Katze?“ fragte Doktor Bolten. „Eins ist nur denkbar!“
„Die Bälge beider Tiere,“ gab Holm zurück. „Die Schlangen können ihre Beute nicht kauen, sondern verschlucken sie ganz. Wenn die Katze zermalmt, mit Geifer überzogen und verschlungen ist, läßt sich die Schlange träge herabsinken und leicht durch einen Schuß in den Kopf töten.“
Wieder wurde alles still, nur ein Angstschrei aus den Zweigen gellte zuweilen herab, und einige Papageiennester mit Eiern oder erwürgten, halbflüggen Jungen fielen ins Gras. Dann aber folgte ein Knirschen und Krachen, der ganze Baum zitterte unter den heftigen Bewegungen da oben, und endlich sank die Schlange unförmlich angeschwollen wie ein Klumpen auf den Boden herab.
Ehe einer der Männer Zeit bekam, das Gewehr an die Wange zu legen, krachte von der Seite her ein Schuß, und Franz sprang mit lautem Hurra der erlegten Riesin näher, um durch einen Kolbenschlag sein Werk zu vollenden, — Holm konnte ihm kaum zur rechten Zeit in den Arm fallen. „Um des Himmels willen nicht, du tapferer Nimrod!“ rief er. „Ich will ja die Bestie für das Museum ausstopfen, also muß mir der Kopf heil bleiben.“
„Ihr Teil hat sie!“ nickte der Doktor. „Die wütenden Schwanzschläge verraten es.“
„Aber wo ist Hans?“ rief in diesem Augenblick der junge Naturforscher. „Mein Himmel, er wird doch nicht“ —
„Hier!“ antwortete die Stimme des jüngeren Knaben. „Hier!“
Und Hans trat aus dem Gebüsch hervor, in jedem Arm ein spielendes, braunfleckiges Kätzchen, das er fest an die Brust drückte. „Du darfst sie nicht töten, Vetter Karl,“ rief er, „ich habe sie gefunden und kann es nicht sehen, daß ihnen ein Leides geschieht!“