Der junge Gelehrte lachte. „Bewahre,“ rief er, „Hans, wohin denkst du? Die sollen mit hoffentlich noch manchem anderen Tropenbewohner als Erinnerung an die wissenschaftliche Reise des Naturforscherschiffes den Hamburger Zoologischen Garten verherrlichen helfen. Wir nehmen alles hier Erbeutete, lebende oder tote Schätze, mit nach Lagos und schicken es von da durch den nächsten Postdampfer nach Hause. Papa wird sich freuen, wenn für die großen Kosten dieses Unternehmens schon so bald Erfolge einlaufen.“

Die beiden niedlichen Kätzchen gingen von Hand zu Hand. Sie waren noch sehr jung, konnten nicht essen und nicht so recht laufen, daher verursachte es wenig Schwierigkeit, sie fortzubringen. In dem Lendentuch des einen Negers, der es hier im Urwalde mit der üblichen Sitte der Bekleidung nicht so genau nahm, wurden sie weich gebettet, und während nun die Schwarzen sich daran machten, die unterdes verendete Schlange abzuhäuten und auch die alte Zibetkatze wieder ans Tageslicht zu befördern, gingen die vier Weißen mit dem Dolmetscher über die Lichtung, dem nahe belegenen Termitendorfe zu. Als man den zerstreut liegenden Pyramiden bis auf wenige Schritte gegenüberstand, erhoben sich aus dem Gebüsch mehrere kleine, zwerghafte Gestalten von gelbgrauer Farbe, nur einen bis anderthalb Meter hoch, kränklich aussehend und vollkommen unbekleidet, von erschreckender Häßlichkeit. Sie streckten mit einer Art von Bettlergebärde und kläglich wimmerndem Tone den Schwarzen sowohl wie den Weißen ihre Hände entgegen.

„Zwerge!“ rief voll Erstaunen der Doktor. „Es ist also doch wahr, daß im Innern Afrikas ganze Zwergvölker leben.“

Achilles mußte nun die kleinen, schmutzigen Menschen ausfragen, und was er erfuhr, war folgendes. Die Zwerge nannten sich Obongos, sprachen von ihren Verwandten, den Akkas und Dokos, aber sie hatten, so lange sie lebten, nie ein Dorf bewohnt, einen König gehabt oder zu ihrem Lebensunterhalt durch Arbeit das Geringste beigetragen, ja sie waren daran gewöhnt, auf Bäumen zu schlafen und ohne alle Kleidung einherzugehen. Ihre Nahrung bestand aus Wurzeln, Beeren und Heuschrecken, die roh in zerquetschtem Zustande verzehrt wurden.

„Ob es viele von ihnen gebe?“ fragte begierig der Doktor durch den Mund des Dolmetschers.

Sie schüttelten die Köpfe, und ihre trübseligen Mienen wurden immer trübseliger. Die Sonne versank unzählige Male, bevor sie in den Wäldern einen einzigen ihrer Brüder antrafen.

Man schenkte ihnen von den mitgebrachten Cakes und Fleisch und sah dann die kleinen Gestalten wie in den Boden hinein verschwinden. Diese ganze Art stand offenbar auf der niedrigsten Stufe menschlicher Entwickelung.

Jetzt waren auch die Termitenbauten erreicht. Schwarze, spitze Hütten, an den Außenseiten vielfach höckerig und wie mit Stufen, zahllosen Einschnitten und Erhöhungen versehen, so zeigten sie sich den Beschauern, die vergeblich versuchten, mittels ihrer Messer Stücke dieser Wände loszubrechen. Das Gemäuer war von fester Thonerde, und erst als Franz einen schweren Stein aufhob und ihn gegen die höchste Spitze warf, fiel ein schwarzer Klumpen zu Boden. Inwendig zeigten sich solche Gänge oder Rinnen, wie man sie als die Zerstörungswege der Maden im Käse kennt, natürlich nur bedeutend breiter.

Die Beute wurde der anderen zugefügt, und dann wanderte man dem Saume des Waldes wieder zu. Die schillernde Schlangenhaut sowohl als auch der Balg der Zibetkatze lagen schon zum Trocknen auf dem Rasen und waren nach Holms zufriedener Bestätigung wie vom besten Kürschner abgezogen worden. Das Fell des Raubtieres hatte eine schöne graue Grundfarbe mit launenhaft und unregelmäßig darüber hergestreuten schwarzen Flecken und Streifen; es zeigte die starke, schwarze Rückenmähne, den spitzen Kopf und den schlanken Körperbau der Gattung und maß von der Schnauze bis zur Schwanzspitze etwas mehr als einen Meter. Holm sagte, daß man eine afrikanische, eine amerikanische und eine asiatische Zibetkatze kenne, ebenso eine sehr selten gefundene europäische, und daß diese Tiere den in der Medizin bekannten Zibet lieferten. Die Nubier und Abessinier zähmen sie und drücken ihr wöchentlich zweimal den in einer Blase am Bauch befindlichen Zibet heraus, — in der Freiheit thut es das Tier selbst.

Mit Schlangenhaut, Balg und Kätzchen beladen, wanderte die Jagdgesellschaft zum Dorf zurück, nicht ohne jenseits des Baches nochmals den braunen Heerwurm ziehen zu sehen. Gottlob ließ er die Negerhütten weit links liegen.