Die Matrosen kannten das schon; den Knaben dagegen war es ganz neu, weshalb denn auch beide Parteien, die Wilden und die Weißen, einander beim Essen neugierig beobachteten und nicht selten laut lachten, wenn z. B. die Aufmerksamkeit des Speisenden abgelenkt war und ihm die Reisportion anstatt auf die Lippen, vielmehr auf die Nase fiel, oder wenn die jungen Leute versuchten, das malaiische System nachzuahmen und durchaus den halbflüssigen Reis zwischen ihren Fingern nicht halten konnten.

Es war im ganzen ein gutmütiges, gastfreies, wenngleich scheues Volk, das von Lombock; erst nach längerem Verweilen der Fremden gelang es, die Leutchen einigermaßen vertraulich zu machen und sie zum Sprechen zu bringen, wobei freilich das gegenseitige Verständnis nicht besonders weit hinaus ging, denn auf der ganzen Küste gab es keinen englisch redenden Eingebornen; das was die Matrosen durch häufigen Aufenthalt in Batavia und Surabaja von der malaiischen Mundart erlernt hatten, blieb das einzige Mittel zur Unterhaltung. Der Radscha von Lombock war der holländischen Regierung von Java tributpflichtig; er mußte für den Baumwollen- und Reisertrag der Insel alljährlich eine bedeutende Steuer zahlen und verkaufte seine Waren an einige Holländer und Amerikaner, die weiterhin an der Küste ihre Faktoreien besaßen; sonst aber wohnten von den „Menschen mit weißen Gesichtern“ auf dem Eiland keine, und ebensowenig kamen jemals Fremde hierher, um das Innere zu durchforschen. Alle Einwohner bauten Baumwolle und Reis.

Holm fragte nach Raubtieren, er beschrieb ihre Größe, er zeichnete auf ein Blatt Papier die Gestalt eines Leoparden, eines Büffels, aber keiner der neugierig beobachtenden Eingebornen hatte ein solches Geschöpf jemals gesehen, Hirsche dagegen waren vorhanden und auch der Orang-Utang, — die Malaien machten ihm eine Faust, als sie das Bild sahen. „Er stiehlt unsere jungen Mädchen,“ sagten sie, „und nimmt die geängstigten mit sich in seine unerreichbaren Felsenschlupfwinkel; unsere Knaben zerdrückt er an seiner Brust wie Strohhalme.“

Auch Pferde kannten die harmlosen Leutchen nicht, wohl aber schöne Ziegen und Schafe; ebenso kletterten auf allen Zweigen die Papageien und Kakadus, deren lautes „Arra! Arra!“ in der Umgegend widerhallte. Die grüne Art schien hier sehr zahm, sie flog, wie bei uns das Sperlingsvölkchen, ganz nahe heran, um womöglich von der Mahlzeit ihren Teil zu erhalten, und als einmal Hans ein Stück Schiffszwieback nahm und es einem der Vögel zuwarf, da entstand eine höchst lebhafte Balgerei.

Nachdem alles in Augenschein genommen, wurde der Rückzug zum Schiff angetreten, unter dem Geleit sämtlicher Wilden, die nie ein solches Fahrzeug kennen gelernt hatten. Was sie besaßen, war eine sogenannte Prau, ein flaches, schlechtes Boot, mit dem sie oft von einer der zerstreuten kleinen Inseln zur anderen fuhren.

Nur die Kecksten wagten es, mit an Bord zu gehen; wie Kinder betasteten und bewunderten sie jeden Gegenstand, die Wanduhr hielten sie sogar für göttlichen Ursprunges, und als Franz in der Kajütte anfing, das Piano zu spielen, da verstummten die harmlosen Hörer vor lauter Staunen. Auf den Zehenspitzen schlich sich einer heran und dicht hinter den Stuhl des Knaben, der seine Absicht schon ahnte. „Vierhändig?“ sagte er zum Ergötzen der anderen in deutscher Sprache.

Der Malaie nickte. Behutsam den Zeigefinger ausstreckend vollführte er einen plötzlichen, heftigen Schlag gegen eine Taste, und als der Ton hell erklang, sah er triumphierend seine Landsleute an. Der Geist hatte für ihn gesprochen.

„Gib acht,“ lächelte Franz, „jetzt werden sie alle ihre Kunst probieren wollen.“

Und so geschah es wirklich. Der eine wagte nur mit spitzen Fingern das Instrument zu berühren, der andere legte die ganze Hand darauf, der dritte fuhr langsam von oben bis unten über alle Tasten und lachte vor Vergnügen über die „verschiedenen Stimmen, die ihm geantwortet hatten.“ Aber auch ein Ehrgeiziger fand sich darunter, einer, der den Bock einnehmen und mit beiden Händen spielen wollte, wie er es von Franz gesehen; dieser rötliche, in Adams Staatsanzug erschienene, aber dabei mit Bogen und Köcher wohlbewaffnete Jüngling mußte sehr genau beachtet haben, was vorging, denn er ahmte vollständig die Handbewegungen des jungen Weißen nach, schlug auch energisch auf die Tasten, vollführte aber dabei natürlich einen solchen Höllenlärm, daß sich unsere Freunde am liebsten die Ohren zugehalten hätten. Franz lachte, daß ihm die Thränen aus den Augen liefen: so urkomisch war das Bild des entzückten, emsig hämmernden Malaien.

Und dann kam bei Wein und allerlei Geschenken, unter denen namentlich blanke Knöpfe sehr begehrt waren, der Abschied, den Papa Witt mittels einiger Kanonenschüsse verherrlichte. Zuerst erschraken die Wilden, so daß einige unter ihnen laut aufschrien, andere sich köpflings über Bord ins Wasser stürzten, dann aber überzeugten sie sich, daß ihnen kein Schade geschehen war und kamen wieder, um den Geist nochmals reden zu hören. Als die letzten an Land gesetzt waren und das Schiff seine Fahrt begann, da stürzte sich der ganze Stamm, Männer und Frauen, ohne weiteres in das Meer und gab dem langsam dahingleitenden Koloß, noch eine Strecke schwimmend und laute Zurufe ausstoßend, das Geleit; erst als der Dampfer seine volle Kraft entfaltete, blieben sie natürlich im Kielwasser desselben weit zurück.