Der Doktor tötete und spießte die Raupe und brachte sie über die Flamme. „Seht ihr,“ rief er, „ich verstehe mich ausgezeichnet auf solche Sachen!“
Kaum aber hatte er sich dieses frühzeitige Lob erteilt, als die Raupe anfing sich dick aufzublähen. Dann aber sagte sie laut „Paff“ und war auseinandergeplatzt.
„Was ist das?“ fragte der Doktor und machte eine bestürzte Miene.
„Sie haben die Raupe der Flamme zu nahe gebracht, teuerster Doktor,“ antwortete Holm. „Sie hätten bedenken müssen, daß eine Raupe kein Bratapfel ist.“
Alle lachten, auch der Doktor stimmte mit ein. „Von jetzt an werde ich vorsichtiger sein,“ sagte er. „Jedenfalls hat ein mißlungener Versuch das Gute, daß man aus ihm lernt, wie man es nicht zu machen hat.“
Die getrockneten Raupen wurden in Watte gehüllt und gut in Blechdosen verpackt. Reichliche Mengen von Kampfer wurden dazwischen gelegt, um zerstörende Insekten von ihnen fernzuhalten.
So vergingen die Tage auf dem Schiffe in voller Beschäftigung, bis an einem schönen Morgen die massigen Umrisse eines weit hinausreichenden Vorgebirges in blauer Ferne aus dem Wasser auftauchten; die langgestreckte, skelettartige Form von Celebes zeigte einen ihrer Arme, das Kap Rivers; ein ungeheurer Höhenzug trug rauschenden Wald und thätige, von Wolken umwirbelte Vulkane; darunter aber in stiller enger Bucht, gleichsam an die Brust des Felsens geschmiegt, lag das Pfahldorf.
Die Bauten unserer ersten Eltern, die Uranfänge aller Menschenwohnungen, die nächsten, natürlichsten Schutzmittel gegen wilde Tiere! — ein sonderbarer Anblick, so Hütte an Hütte auf muschelbedeckten, von Schnecken und Austern bewohnten Pfählen, unter denen das seichte Wasser kaum zwei Meter tief dahinfloß. Selbstverständlich konnte der Dampfer nicht bis in die Nähe gelangen, aber er setzte Boote aus, und die ganze kleine Gesellschaft fuhr in die schmalen Straßen zwischen den Häusern hinein. Fahrzeug nach Fahrzeug kam ihnen entgegen: Fische, Krebse, Austern, Schneckenhäuser und hundert kleine, zierliche Arbeiten aus Muscheln, Schildpatt, Korallen und Perlen wurden zum Kauf angeboten; die Menschen zeigten sich als eine Mischlingsrasse, sowohl den Malaien als den Chinesen verwandt, waren hell und hübsch, und in ihrem Auftreten äußerst bescheiden und friedliebend. Aber wie arm, wie eng schienen diese Hütten! Das Boot von der „Hammonia“ steuerte hindurch, die jungen Leute kauften von jedem Händler etwas, sahen bei Gelegenheit in jede Thür hinein und entdeckten dort immer nur ein Blätter- und Mattenlager, Fischgerät, einen rohen Tisch und ein paar Decken; gekocht wurde draußen in den Booten. Überall war es lebendig, überall wimmelte es in chinesischer Überfüllung von Kindern und Erwachsenen; nur eine schmale Fahrstraße lief zwischen den engbewohnten Bienenkörben dahin, Seitengänge zweigten sich ab, manche Familie schien sogar nur das offene Boot als Heimstätte zu besitzen und hinter einer vom Mast flatternden Decke auf bloßen Brettern zu schlafen.
Wie doch die Orang-Badju auf den Gedanken kamen, so ihr ganzes Dasein in dieser Bai zu verbringen? Meilen und abermals Meilen standen ihnen auf der schönen fruchtbaren Insel offen, unbegrenzte Ebenen lieferten Weideplätze und Ackerland, unbegrenzte Wälder den Schutz und die Früchte ihrer Riesenstämme; aber das handeltreibende Völkchen zog es vor, abgeschnitten von allen Schönheiten der Natur, aller Freiheit der Bewegung und des Verkehrs, hier auf dem Wasser in feuchten, unbequemen Käfigen sein Dasein zu verbringen, wahrscheinlich ohne jemals selbst die Möglichkeit einer Änderung ins Auge gefaßt zu haben. „Derartige Niederlassungen in Buchten und schmalen Wasserstraßen gibt es hier herum viele,“ sagte der Kapitän. „Die Leute sind Fischer und treiben Tauschhandel mit allen benachbarten Küsten.“
„Aber im Sturm,“ fragte Hans, „wie machen sie es im Sturm?“