„Di meen ick, Döskopp!“ setzte nickend und lachend der junge Hamburger hinzu.

Holm verbot mit kurzen barschen Worten dergleichen Scherze, auch die übrigen stimmten ihm bei, so daß die Alfuren aufhorchten, der Matrose jedoch allerlei Gegenreden in den Bart brummte. Der Auftritt ging schnell vorüber, aber er hatte genügt, in dem Herzen des jungen Menschen einen eigensinnigen Trotz wachzurufen und anderseits die Alfuren aufmerksam zu machen. Sie versicherten, ein schlechtes Englisch sprechend, daß den Weißen bei ihrer Jagd im Walde keinerlei Hindernis erwachsen würde und stellten ihr Dorf mit allem, was sie besaßen, den Gästen zur Verfügung. Holm dankte ebenso höflich; dann wurden kleine Geschenke verteilt und von den Wilden das eben erlegte Tier herbeigeholt, um es den Fremden als Gegenleistung anzubieten.

Darauf trennte man sich, nachdem die Alfuren noch versichert, daß in einer Bucht nahe bei ihrem Dorfe heute abend Trepang gefangen werden würde, und daß dazu die Weißen höflichst eingeladen seien!

Holm hatte nichts Eiligeres zu thun, als sich des Hirschebers zu bemächtigen und das seltene Tier nach allen Richtungen zu besehen und auszumessen. Dieses große, vollausgewachsene männliche Exemplar zeigte die Länge von anderthalb Metern und war etwas über einen halben Meter hoch; es hatte die rauhen Borsten des gemeinen Schweines, aber dabei die melancholischen, sprechenden Augen des Hirschgeschlechtes; die hauerartigen Eckzähne durchbohrten an beiden Seiten die Oberlippe.

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Begegnung mit den Alfuren auf Celebes.
„... worauf zwölf bis sechzehn Alfuren erschienen, sämtlich nackt, voll bewaffnet ...“

„Haben wir ihn einmal, so wollen wir ihn auch essen,“ meinte Holm, „sein Fleisch ist ohnehin bekannt als das zarteste der gesamten Schweinefamilie. Wir lassen ihn hier liegen und nehmen ihn heute abend mit zum Alfurendorf; den Fang auf dem Meer möchte ich doch gern ansehen, nebenbei aber ist es auch klüger, jetzt, nun uns die Wilden einmal bemerkt haben, nicht geradezu vor ihnen zu flüchten. Unser Nachtlager können wir ja im Schutz der Uferfelsen vor den Dorfhäusern aufschlagen, und morgen an den Spießen der Alfuren das Schwein braten.“

Man warf also große Zweige und Blätter über den toten Körper und drang dann tiefer in das grüne Gewirre hinein. Ungeheure Bäume, wahre Riesen, versperrten in urweltlicher Fülle und Breite den Weg; manche Arten waren für die Weißen noch ganz neu, so besonders der Upasbaum, das Tekholz, das Sandelholz, die Zeder und Muskat- und Ebenholzbäume, sie sammelten überall Blüten und Blätter, ebenso unzählige Kletterpflanzen und große schöne Blumen, es begegneten ihnen aber auch mehrere Alfurendörfer, deren Einwohner bettelnd und neugierig hinterher liefen; alles, Häuser und Menschen, unter Schmutz vergraben. Die einzige Beschäftigung der Leute schien im Einfangen dessen zu bestehen, was die Natur freiwillig spendete; wenigstens arbeitete niemand, und als Holm in einem der wackelnden, trübselig verfallenen Dörfer eine diesbezügliche Frage stellte, da antwortete man mittels eines einzigen Lautes: „Trepang!“

Der Fang des Meerwurmes wurde also gewerbsmäßig betrieben; unsere Freunde wollten es keineswegs versäumen, sich die Sache anzusehen und nahmen zur sicheren Erreichung dieses Zweckes einen jungen Alfuren mit sich, der sie zum Dorfe der Strandbewohner geleiten sollte. So ziemlich kannten alle den Weg selber, es war daher gar kein Verrat möglich, auch konnte der eine Alfure gegen die Überzahl von sechzehn Männern natürlich nichts unternehmen.